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Das Ismail – Samani – Mausoleum in Buxoro

Samaniden Mausoleum in Buchara; Foto: Christian Grosse

Einmalig in Zentralasien – Architektur in Perfektion

Geht man durch das westliche Stadtzentrum von Buxoro (Buchara), in einem zu Sowjetzeiten angelegten Park, spazieren, wird man auf ein Gebäude aufmerksam, was in seiner Architektur und in seinen Farben seinesgleichen sucht: Das Ismail – Samani - Mausoleum.
Das Ismail – Samani - Mausoleum ist das älteste Gebäude in Buxoro, stammt aus dem 9. oder 10. Jahrhundert und besitzt einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 10 m und ist 14 m hoch. Das architektonische Kleinod begeistert so sehr, dass es ein Leichtes ist sich eine Stunde, in und um das Gebäude, aufzuhalten.
Das Samaniden - Mausoleum ist die Grabstätte Ismail Samanis, oder genauer von Abū Ibrāhīm Ismā'īl ibn-i Aḥmad-i Sāmāni, in Buxoro.

Das Mausoleum ist aus kunsthistorischer Sicht von großer Bedeutung, da es das älteste erhaltene Zeugnis islamischer Architektur in Zentralasien ist, und auch das einzige Baudenkmal der Samaniden - Dynastie, welches erhalten geblieben ist.
Zudem ist es kulturgeschichtlich bedeutend, als die islamische Weltanschauung die architektonische Verzierung von Gräbern verbietet. Das Samaniden - Mausoleum ist eines der wenigen erhaltenen Bauwerke in Buxoro aus der Zeit vor dem Mongolensturm.

Abū Ibrāhīm Ismā'īl ibn-i Aḥmad-i Sāmāni; Quelle: Tajik Youth Force, Maler: Unbekannt 

Samani war Emir von Transoxanien und vom Chorasan. Er trug sehr zur Islamisierung der Region bei und ließ mitunter die erste persische Übersetzung des Koran anfertigen. Aus Buxoro machte er einen Knotenpunkt auf der Seidenstraße.
Das Mausoleum stand einst im Zentrum eines Friedhofs und versank im Laufe der Zeit unter mehreren Sandschichten. Das Grabmal ist nur zufällig erhalten, da es viele Jahrhunderte lang ungestört im Schlamm lag, bis es in den 1930er Jahren von dem sowjetischen Archäologen V. A. Schischkin wiederentdeckt wurde. Neben dem archaischen Erscheinungsbild wurden mehrere Hinweise auf die frühe Herkunft gefunden.

UNESCO Weltkulturerbe, Hinweisschild Ismail – Samani – Mausoleum; Foto: Christian Grosse

Am Portal des Osteingangs fand sich auf einer Holztafel ein Fragment eines kufischen Textes mit dem Namen Nasr ibn Ahmad ibn Ismail, der im Jahr 943 starb. Zudem gibt es Hinweise, dass in einer Bibliothek in Buxoro eine Quittung aus den Jahren 1568-69 entdeckt wurde - selbst eine Kopie einer Quittung aus dem 10. Jahrhundert, aus der hervorging, dass Ismail Land für das Grab seines Vaters Ahmad (gest. 864/865) zur Verfügung gestellt hatte. Und dass mehrere Familienmitglieder dort begraben waren - tatsächlich wurden drei Leichen im Grab selbst gefunden.

Haupteingang Ismail – Samani – Mausoleum; Foto: Christian Grosse

Erst im 20. Jahrhundert wurde das Mausoleum vollständig freigelegt und komplett restauriert. Neben Terrakotta resultiert die Gestaltung des Mausoleums einzig aus der Anordnung der Ziegel im Mauerwerksverband, die in 47 Varianten vorkommt.
Aus technologischer Sicht ist das Grabmal das erste in Zentralasien, das den Übergang von einer runden Kuppel zu einem quadratischen Sockel durch Einbuchtungen vermittelt und damit ein Designmerkmal einführt, das in den folgenden Jahrhunderten weit verbreitet war. Es ist auch ein Vorläufer der Muqarnas (Tropfsteingewölbe), die sich in der islamischen Architektur als Alternative zum Squinch und als eigenständiges dekoratives Element großer Beliebtheit erfreuten.

Ziegelandordnung im Mauerwerksverband; Weltweit 1. industrielle Architektur eines Gebäudes durch standardisierte Ziegel; Foto: Christian Grosse

Es wird angenommen, dass das Mausoleum als Familiengrab der Samaniden-Dynastie (819-1005) diente, den Nachkommen einer persischen Adelsfamilie, die Transoxiana im Auftrag des Abbasiden-Kalifats mit Sitz in Bagdad regierte.

Das Grabmal ist nach Ismail Samani - reg. 892-907 - benannt, dem angesehensten Herrscher der Dynastie, der oft für seine Tugenden gefeiert und vom seldschukischen Wesir Nizam al-Muk aus dem 11. Jahrhundert gelobt wurde, der ihn in seinem Buch der Regierung als Vorbild für gute Führung empfahl.
Traditionell riet der Islam vom Bau dauerhafter Mausoleen ab und betonte die Idee der "Angleichung der Gräber, an den umgebenden Boden", um den Tod als den großen Gleichmacher, sowohl der Mächtigen als auch der Schwachen, zu charakterisieren.

Portal Rückseite, Ismail – Samani – Mausoleum; Foto: Christian Grosse

Das Verbot war so stark, dass noch im 12. Jahrhundert Gräber in der Nähe von Buxoro, wie das Chashma Ayub, mit den Worten "Der Prophet, Friede sei mit ihm, sagte: Ich hatte euch verboten, zu den Gräbern zu pilgern", gefunden wurden. Dies zeigt, dass der Erbauer das Bedürfnis hatte, die eigenen Worte des Propheten zu verwenden, um den Bau eines Mausoleums zu rechtfertigen. In der Ära der Samaniden war das Verbot wahrscheinlich noch strenger, obwohl die Abbasiden - Kalifen von Bagdad bereits dauerhafte Grabmäler bauten, von denen allerdings keines bis heute erhalten ist.

Deckengewölbe, Ismail – Samani – Mausoleum; Foto: Christian Grosse 

Die Erbauer des Ismail – Samani - Mausoleums lehnten sich in Ermangelung etablierter Präzedenzfälle für die Gestaltung von Grabmälern in einem islamischen Rahmen stark an sassanidische Feuertempel an, die chahar taq genannt wurden. Was wörtlich "mit vier Bögen" bedeutet und sich auf ihren quadratischen Grundriss mit vier bogenförmigen Öffnungen bezieht, über denen eine Kuppel thronte.

Detailansicht Mauerwerksverband Innenraum, Ismail – Samani – Mausoleum; Foto: Christian Grosse 

Die sassanidischen chahar taq waren schmucklos und aus schwerem Mauerwerk gebaut. Im Gegensatz dazu wurde das Samani - Mausoleum aus gebrannten Ziegeln gebaut und, mit Ausnahme der Kuppel, überall verziert.

Das Ziegelmauerwerk ist in einem Muster angelegt, das für moderne Augen an einen geflochtenen Korb erinnert, mit vier solide gemauerten Säulen an den Ecken. Das Gesims wird durch eine Arkadengalerie belebt, die gleichzeitig viel Schatten wirft und Licht und Luft in den Innenraum lässt. Die Kuppel ist zwar dominant, teilt sich aber auch den Raum mit vier kleinen Kuppeln, die sie umgeben. 

Grabmal Abū Ibrāhīm Ismā'īl ibn-i Aḥmad-i Sāmāni; Foto: Christian Grosse 

Dennoch bewahrt das Grabmal den Sinn für Ausgewogenheit und die fehlende Ausrichtung, die für den Chahar Taq charakteristisch waren. Die Qualität der Konstruktion und die Sicherheit des Entwurfs deuten stark darauf hin, dass der Bau von Grabmälern aus gebranntem Ziegelstein bereits eine etablierte Tradition war, auch wenn sie noch stark von vorislamischen Formen wie dem chahar taq abhing.
Obwohl das Grab heute als die Grabstätte von Ismail Samani bezeichnet wird, könnte es eher als eines von mehreren dynastischen Gräbern gedient haben, von denen keine weiteren erhalten sind.
Heutzutage ist Ismail Samani die wichtigste historische Figur für Tadschikistan. Obwohl sein Grab sich im heutigen Usbekistan befindet, ist mitunter die tadschikische Währung nach ihm benannt.

Beitrag/ Fotos: 2021 und 2022 © Christian Grosse

Empfohlene LINKS:
USBEKISTAN-GALERIE | Samaniden-Mausoleum
WIKIPEDIA - Samaniden-Mausoleum | Samaniden | Transoxanien | Chorasan
Wikipedia (en) - Ismail Samani
Wikipedia Commons - Ismail Samani

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Quellenangaben / Bibliography

Chuvin, Pierre and Gerard Degeorge. Samarkand, Bukhara, Khiva. Italy: Flammarion, 2001.
Dani, Ahmad H., et al. History of Civilizations of Central Asia. Paris: Unesco, 1992.
Gangler, Anette et. al. Bukhara: the Eastern Dome of Islam. City: Axel Menges, 2004.
Grabar, Oleg. "The Earliest Islamic Commemorative Structures, Notes and Documents." Ars Orientalis, vol. 6, 1966, pp. 7–46. JSTOR, www.jstor.org/stable/4629220.
Hillenbrand, Robert. Islamic Architecture. New York: Columbia University Press, 1994.
Knobloch, Edgar. Monuments of Central Asia. London: I.B. Tauris: in the United States and Canada distributed by St. Martin's Press, 2001.
MacLeod, Calum, and Bradley Mayhew. Uzbekistan: the Golden Road to Samarkand. Hong Kong & New York: Odyssey Books & Maps. Distributed in the USA by W.W. Norton & Company, Inc, 2014.
Soustel, Jean & Porter, Yves. Tombs of Paradise: The Shah-e Zende in Samarkand and Architectural Ceramics of Central Asia. Hong Kong: Paul Holberton publishing, 2002.

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