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Erfolgreiche Deutsch/Usbekische Zusammenarbeit - Milchviehbetrieb in Ferghana

Stalluebersicht Stallübersicht - Milchviehbetrieb in Ferghana
Milchviehhaltung Usbekistan - Deutscher Berater bringt Stall zum Laufen

In dem trockenen zentralasiatischen Staat Usbekistan gibt es nur wenige Regionen, in denen Ackerbau möglich ist. Auf knapp 80 Prozent der Fläche wird Baumwolle angebaut, doch der Staat fördert die Milchviehhaltung und sorgt so für große Investitionsprojekte. Was häufig fehlt, ist Know how. 

Der Mais wird im 6-Blattstadium gehackt und im gleichen Arbeitsgang gedüngt; Foto: Frank Friedrich

Im Osten von Usbekistan, am Rand des fruchtbaren Ferghana-Beckens befindet sich der Milchviehbetrieb Pro Milk Technology. Er liegt in der Nähe der Provinzhauptstadt Guliston und etwa 110 km südwestlich von der usbekischen Hauptstadt Taschkent entfernt. Der landwirtschaftliche Betrieb entstand 2015 komplett neu auf der grünen Wiese. Zum damaligen Zeitpunkt lag der Milchpreis bei 70 Eurocent/l; der Aufbau einer Milchfarm versprach hohe Gewinne.

Investor ist Schwiegersohn des Präsidenten
Der Hof besteht aus einem Stall für 500 Milchkühe und ihrer Nachzucht sowie einem Melkhaus mit überdachtem Wartehof. Angeschlossen ist ein Abkalbebereich und eine offene Halle für die Kälberiglus. In zwei weiteren offenen Hallen lagern Heu und Stroh und in einer weiteren wird das Futter vorbereitet. Dazu kommen noch eine Maschinenhalle, zehn Fahrsilos, drei Güllelagunen und ein Verwaltungsgebäude mit Kantine. Das Unternehmen bewirtschaftet 650 ha arrondiertes Ackerland. Es dient fast ausschließlich der Futtererzeugung. 130 Mitarbeiter sind auf dem Hof beschäftigt. Damit ist er der größte Arbeitgeber für die umliegenden Dörfer. 

Investoren sind neben Unternehmen häufig auch Personen, die politische Beziehungen besitzen. So steckt hinter dem Projekt der Schwiegersohn des usbekischen Präsidenten. Ihm gehören neben diesem Betrieb noch weitere Unternehmen im Land.

Berater aus Deutschland
Robert Grimm kam auf den Betrieb, um die Kälberverluste bei der Abkalbung in den Griff zu bekommen. Er musste sich dann aber um den gesamten Betriebsablauf kümmern; Foto: Frank Friedrich

Im Oktober 2016 startete die Produktion mit 500 aus Deutschland importierten, hochträchtigen Kalbinnen der Rasse Holstein-Friesians. Als die Abkalbungen begannen und die Tier- und Kälberverluste extrem anstiegen, zog man Berater aus Deutschland hinzu. Zu ihnen gehörte Robert Grimm aus dem fränkischen Enheim. Der 38-jährige Agraringenieur und Landwirt ist seit 2013 in verschiedenen Ländern Zentralasiens und Osteuropas unterwegs und arbeitet selbstständig für die PPMA (Gesellschaft für Projekt- und Prozessmanagement in der Agrarwirtschaft mit Sitz in Triesdorf), die weltweit, vor allem in Ländern der ehemaligen Sowjetunion und Afrika, Agrarprojekte unterstützt und berät.

Was Grimm nach den ersten Tagen auf dem Betrieb auffiel, war die schlechte Qualität der Futtermittel. Nachdem die Labore vor Ort für die Grassilageergebnisse immer nur Standardwerte aus dem Lehrbuch präsentierten, ließ er Proben in Deutschland analysieren. Hier zeigten sich extrem hohe Mykotoxin- und sogar Blausäurewerte (durch zu früh einsiliertes Sorghum). Daher wurden die schlechtesten Futterpartien sofort verworfen und brauchbares Futter von den Nachbarbetrieben zugekauft, um über den Winter zu kommen.

Ausbilden und anweisen

Eine Aufgabe von Robert Grimm war es, für viele Bereiche entsprechende standardisierte Handlungsanweisung zu erstellen. Unter anderem auch für den Kälberbereich; Foto: Frank Friedrich

Um die Kälberverluste in den Griff zu bekommen, war der Berater bei jeder Kalbung dabei und schulte die Mitarbeiter hinsichtlich Geburtshilfe und dem Einsatz von mechanischen Geburtshelfern. Viele angestellte Mitarbeiter sind Quereinsteiger: Ihnen fehlte die praktische Erfahrung, weil sie nicht aus der Landwirtschaft kamen. Selbst die vier angestellten Tierärzte hatten Defizite in der praktischen Milchviehhaltung. „Das ist ein großes Problem vieler ehemaliger Ostblockländer. Die Ausbildung ist sehr verschult und hat wenig praktische Bestandteile“, erklärt Berater Grimm die Gründe.
Eine wichtige Aufgabe von Berater Grimm war es, für wiederkehrende Arbeiten Anweisungen zu formulieren. Solche SOPs (Standard Operation Procedures=standardisiertes Vorgehen) kommen ursprünglich aus den USA und haben sich im Management vor allem mit ungelernten Kräften auf landwirtschaftlichen Betrieben bewährt. So legt eine Anweisung zum Beispiel fest, ab welcher Temperatur die Curtains des Stalls zu öffnen sind und ab wann die Ventilatoren und die Vernebelungsanlage angestellt werden. Außerdem ist festgehalten, wer dafür verantwortlich ist.

Gegenwind aus der Führungsriege

Von links: Ilhom Karamatov (Manager des Eigentümers), Robert Grimm, Ulugbek Tursunow (Manager des Investors) und Holmat Almatov (Direktor Pro Milk); Foto: Frank Friedrich

Die ­Besamung erfolgt durch einen der Tierärzte am Betrieb. Das Sperma wird aus den USA importiert. Die Trächtigkeitsuntersuchung führen die Veterinäre auf dem Betrieb mit ­einem Ultraschallgerät durch. Die ­Mitarbeiter der Fütterungs- und Melkteams sind aufgefordert, brünstige Tiere zu erkennen. Daher war eine weitere von Robert Grimms Aufgaben, die Mitarbeiter im Stall dahingehend zu schulen, die Brunst zu erkennen, und sie zu motivieren, die Tiernummern zu notieren und an den Tierarzt oder Herdenmanager weiterzugeben.

Eine weitere Schwierigkeit: Einige Führungskräfte wollten, wohl aus Sorge um die eigene Position, nicht mit dem Berater zusammenarbeiten. Rückendeckung erhielt Grimm von den zwei Managern des Investors, die regelmäßig vor Ort waren und denen er Bericht erstattete.

Quelle: agrarheute.com; Fotos: Frank Friedrich; Titelbild: Stallübersicht - Die gesamte Anlage entstand auf dem Reißbrett und wurde sprichwörtlich auf der grünen Wiese realisiert.

Empfohlene LINKS:
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