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Zentralasien – das künftige Wirtschaftszentrum

zentralasien Zentralasien CC BY-SA 4.0 Abt. f Kartogr. UNO

Zusammenfassung:
Ein analytischer Artikel über die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren im Zentrum des eurasischen Kontinents allmählich ein ernst zu nehmender Wirtschaftscluster gebildet hat. Der Punkt ist, dass China seine Hauptproduktionsstätten allmählich von der Ostküste seines Landes ins Landesinnere verlagert, nämlich an die Grenzen zu diesen zentralasiatischen Ländern. Gleichzeitig modernisieren Usbekistan und Kasachstan aktiv ihre Volkswirtschaften und wollen mehr ausländische Investitionen anziehen. So vereinbarten Kasachstan, Usbekistan und die USA im Januar dieses Jahres im Rahmen des C5+1-Programms eine neue Investitionspartnerschaft im Wert von 1 Milliarde US-Dollar. 

Darüber hinaus planen einige große ausländische Unternehmen, ihre Produktionsstätten in naher Zukunft nach Zentralasien zu verlagern, da dort billige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und der Markt wächst. Kurz gesagt, Zentralasien und sein Gebiet stehen im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aufmerksamkeit der USA und Europas.

Seit 2020 setzt das österreichische Unternehmen gemeinsam mit der OSZE ein Programm zur Digitalisierung der kaspischen Häfen Baku, Aktau, Kuryk und Turkmenbaschi um; außerdem ist der Kauf von Zolllagern auf dem Gelände des Terminals in Baku geplant. Es entsteht dadurch ein zunehmender Bedarf an neuen Transport- und Logistikrouten, um das Zentrum Eurasiens mit den EU-Ländern zu verbinden. Große europäische Fluggesellschaften bereits mit dieser Arbeit begonnen: Im November 2019 unterzeichneten die Rail Cargo Group (Österreich) und die Cabooter Group (Niederlande) im Hafen von Baku eine Vereinbarung zur Ausweitung des Güterverkehrs von Europa nach Zentralasien und China. (Die Rail Cargo Group ist eine österreichische Tochtergesellschaft der Österreichischen Bundesbahnen mit einem Jahresumsatz von 130 Millionen Tonnen Gütern.)

Generell spielt die Produktion in Zentralasien eine immer größere Rolle, und es werden neue Transportrouten und -wege benötigt, die über die kaspische Region und ihre Wassermöglichkeiten führen.

Der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms, betonte am 27. September bei einem Treffen mit der offiziellen Delegation Usbekistans, dass die zentralasiatische Region auch weiterhin zu den Schwerpunkten der deutschen Wirtschaftspolitik gehören wird. Als vielversprechende Kooperationsbereiche nannte er die Zusammenarbeit in der Chemie-, Elektro-, Agrar-, Automobil-, Bergbau-, Maschinenbau-, Umwelt- und Digitalindustrie. Er hob besonders den Ausbau der Verkehrsverbindungen hervor.

Trotz der Pandemie und der Instabilität in Afghanistan verfügt die zentralasiatische Region aufgrund ihres großen Reichtums an Bodenschätzen, ihres hohen Anteils an jungen Menschen und ihrer strategischen Lage zwischen Europa und Asien über ein hohes Entwicklungspotenzial. Dies macht Zentralasien zu einem Sprungbrett für nachhaltiges Wachstum und Entwicklung in der Weltwirtschaft.

Die fünf zentralasiatischen Volkswirtschaften weisen ähnliche Strukturen auf: Sie sind reich an natürlichen Ressourcen, ihre Bevölkerung wächst und die Arbeitskosten sind niedrig. Die Investitionen in Zentralasien konzentrieren sich seit jeher auf die Rohstoffindustrie und machen rund 59 % aus. Die meisten Länder der Region führen jedoch umfassende Reformen durch, um die Abhängigkeit ihrer Volkswirtschaften von den Öl- und anderen Rohstoffmärkten zu verringern. So führt die usbekische Regierung Maßnahmen durch, um ihre Wirtschaft für Investoren aus dem Ausland zu öffnen, während Kasachstan sich darauf konzentriert, durch die Einrichtung des internationalen Finanzzentrums Astana globale Investitionen anzuziehen.

Die Eurasische Entwicklungsbank (EDB) erwartet für die zentralasiatischen Staaten ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 4 %, für Kirgisistan und Tadschikistan von 5,1 % bzw. 7,4 %. Die UNO schätzt, dass die CA-Länder ihr regionales BIP in den nächsten 10 Jahren mindestens verdoppeln werden.

In Kasachstan, der am weitesten entwickelten Volkswirtschaft der Region, wurde 2020 das dritte Programm für die industrielle und innovative Entwicklung des Landes eingeleitet, das bis 2025 angelegt ist. In den vergangenen fünf Jahren wurden mehr als 500 neue Industrieanlagen in Betrieb genommen. Die metallurgische Produktion ist um das 2,2-fache gestiegen, der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Industrie hat sich von 31,8 % auf 41,6 % erhöht, und die Ausfuhren von Industrieerzeugnissen haben 70 Milliarden Dollar erreicht.

In den letzten zehn Jahren ist die Industrieproduktion Usbekistans jährlich um durchschnittlich 8,4 % gewachsen. Der Hauptwachstumstreiber im Jahr 2020 war das verarbeitende Gewerbe, das seine Produktion um 7,1 % (6,6 % im Jahr 2019) steigerte. Im Jahr 2020 wurden im Land 197 große und Tausende von kleinen und mittleren Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen gebaut. Insbesondere wurden ein Ammoniak- und Harnstoffkomplex, eine Salpetersäureanlage, Flüssiggasanlagen in den Ölförderanlagen Mubarek, Gazli und Shurtan sowie das Hüttenwerk Taschkent in Betrieb genommen.

Mehr als 500 moderne Unternehmen haben ihre Tätigkeit in IT-Parks in den Regionen Taschkent, Andischan, Dschissach, Kaschkadarja, Samarkand, Syrdarja und Ferghana aufgenommen. Die Pläne für 2021 sind nicht weniger beeindruckend: 226 große Industrie- und Infrastrukturanlagen sollen in Betrieb genommen werden. Außerdem sollen in 84 Bezirken und Städten des Landes 100 neue Technoparks, kleine Industriezonen, regionale Cluster und Logistikzentren eingerichtet werden, um deren industrielles Potenzial zu entwickeln.

Auch die Pläne Turkmenistans zur Umsetzung des TAPI-Gaspipelineprojekts sind weiterhin von Bedeutung. Natürlich wird die Situation derzeit durch die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und das völlige Chaos im Lande ernsthaft erschwert. Aber Aschgabat hat es immer geschafft, eine gemeinsame Sprache mit den Taliban zu finden, und keine Regierung wird Geld für den Gastransit verweigern.

Man darf auch nicht vergessen, dass China beabsichtigt, seine Industrieproduktion von der Ostküste ins Landesinnere zu verlagern. Peking versucht nun, die wirtschaftliche Entwicklung der verschiedenen Landesteile anzugleichen, und zwar nicht nur, um das Wirtschaftswachstum in den politisch wichtigen und energiereichen westlichen Regionen zu fördern, sondern auch, um die Umweltsituation im Osten zu verbessern, insbesondere in den verschmutzten und überlasteten Deltas des Jangtse und des Zhujiang. Das Entstehen eines leistungsfähigen Produktionsclusters in unmittelbarer Nähe der Grenzen der zentralasiatischen Region würde die wirtschaftliche Entwicklung der dortigen Republiken sicherlich fördern.

All dies deutet darauf hin, dass die zentralasiatische Region in den kommenden Jahrzehnten zu einem neuen Wachstumspunkt für die Weltwirtschaft und damit zu einem vielversprechenden Markt für High-Tech-Produkte werden könnte. Damit eröffnet sich ein weites Feld für die Interaktion mit den europäischen Ländern.

Im Jahr 2019 belief sich der Handel zwischen der EU und Zentralasien auf 32,289 Milliarden Euro. Im Juni 2019 wurde eine neue Strategie mit dem Titel „Die EU und Zentralasien: Neue Chancen für eine engere Partnerschaft“ angenommen, die sich auf Bereiche wie sozioökonomische Entwicklung, Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen und regionalen Handel konzentriert.

Das Hauptproblem wird derzeit in der schlechten Verkehrsanbindung der zentralasiatischen Region an die europäischen Länder gesehen. Zentralasien liegt weit entfernt von den Weltmeeren und den wichtigsten entwickelten Verkehrswegen. Bisher sticht in der Region nur das chinesische Projekt der Neuen Seidenstraße hervor, das Deutschland und die VR China auf dem Schienenweg über Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen miteinander verbindet. Es versteht sich von selbst, dass das Vorhandensein einer einzigen gut ausgebauten Strecke für das wachsende Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke völlig unzureichend ist. Und ein Monopol hat immer negative Auswirkungen auf die Frachttarife.

Einige große europäische Transport- und Logistikunternehmen, die sich dieser Risiken bewusst sind, nehmen bereits die Schlüssel zum Zentrum Eurasiens in die Hand. Am 26. November 2019 unterzeichneten der Hafen von Baku, die österreichische Rail Cargo Group (eine Tochtergesellschaft der Österreichischen Bundesbahnen) und die niederländische Cabooter Group eine Vereinbarung zur Ausweitung des Güterverkehrs von Europa nach Zentralasien und China über das Kaspische Meer. Der erste Testzug, der von der chinesischen Stadt Xi'an über das Kaspische Meer in die Tschechische Republik geschickt wurde, erreichte sein Ziel in 18 Tagen, doppelt so schnell wie die Strecke durch den Suezkanal und so schnell wie die Neue Seidenstraße. Experten zufolge könnte das Güterverkehrsaufkommen auf dieser Strecke in naher Zukunft 1,5 Millionen Tonnen erreichen.

Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Quelle: Russland.Capital, Hartmut Hübner; Titelbild: Zentralasien CC BY-SA 4.0 Abt. f Kartogr. UNO

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