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Der tropische Garten des Ali Abdurazakov

Lavendelfeld nähe Kokand; Foto: Andrey Kudryashova Fergana
Statt "weißes Gold" – blühende lila Wiesen. Lavendelfelder und tropischer Garten in der Nähe von Kokand. Das Unternehmen MEHRIGIO.

Der Sommer in Usbekistan kann nicht als die beste Zeit des Jahres bezeichnet werden. Die Hitze liegt über +45, Bauern haben es unter den sengenden Sonnenstrahlen schwer. Obwohl in dieser Zeit das Wichtigste passiert – die Reifung zukünftiger Ernten.

Früher war es nur Baumwolle. Und davor erstreckten sich in jeder Region endlose und eintönige Baumwollplantagen von Horizont zu Horizont. In den letzten Jahren haben Reformen im Agrarsektor eine deutliche Vielfalt in die ländliche Landschaft und die Lebensweise der Landwirte gebracht.

An einem der relativ kühlen Tage im Juni betrachteten Fergana-Korrespondenten blühende Lavendelplantagen im Bezirk Uchkuprik in der Region Fergana, nur sieben Kilometer vom Zentrum von Kokand entfernt.
Der Anbau von Lavendel im industriellen Maßstab in Usbekistan begann erst vor kurzem und mit Unterstützung durch ausländischer Investoren. Im Juni 2020 pflanzte das ausländische Unternehmen Alihan Organic Agro 1 Million Lavendelsetzlinge auf 110 Hektar im Bezirk Koshrabad in der Region Samarkand mit der Aussicht, die Plantagen auf 500 Hektar zu erweitern.

Anfang 2021 begann das israelische Unternehmen Drip Research Technology Solutions (DRTS) im Bezirk Yukorichirchik in der Region Taschkent, nur wenige Kilometer von der usbekischen Hauptstadt entfernt, mit der Anlage von 40 Hektar Lavendelfeldern. DRTS plant, eine zweite Lavendelplantage im Distrikt Kasansay in der Region Namangan auf der Grundlage der freien Wirtschaftszone Kasansay-Farm anzulegen.

Lavendelfeld in Kokand. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Die Gründe für Investoren liegen auf der Hand. Aus Lavendel gewonnene ätherische Öle finden in der Medizin und Parfümerie breite Anwendung. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten in der modernen Welt wächst. Heute wird natürliches Lavendelöl nicht nur kosmetischen Cremes und Gelen zugesetzt, sondern als Duftstoff auch Waschpulvern, Geschirrspülmitteln und Haushaltsreinigern.

Gleichzeitig ist Lavendel als landwirtschaftliche Nutzpflanze recht unprätentiös. Es kann auf verschiedenen Böden wachsen, einschließlich sandiger und lehmiger, benötigt nicht viel Wasser zur Bewässerung und ständige Pflege. Sie braucht vor allem mehr Sonne, die in Usbekistan mit 300 Sonnentagen im Jahr leicht zu bekommen ist.

Dr. Ali erzählt: „Außerdem ist Lavendel eine mehrjährige Pflanze. Wenn Sie eine Plantage einmal pflanzen, können Sie mehrere Jahre hintereinander ernten. Die Rentabilität von "Purpurgold" kann auf diese Weise das traditionelle "Weißgold" – einjährige Baumwolle – deutlich übertreffen.“ Aber auch Usbekistan wird die Baumwollplantagen nicht aufgeben. Die in den vergangenen fünf Jahren von 40 % auf 100 % gesteigerte Kapazität der heimischen Verarbeitung von Rohbaumwolle zu Textilien und Konfektionskleidung sowie die Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen usbekische Baumwolle eröffneten der Baumwollindustrie neue Perspektiven. Aber die Vielfalt im Agrarsektor wird die Wirtschaft des Landes flexibler und widerstandsfähiger gegenüber modernen Herausforderungen machen – von Preisschwankungen auf dem Weltmarkt bis zum globalen Klimawandel.

Blühendes lila Lavendelfeld in Kokand. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Lavendelfelder in der Nähe von Kokand, obwohl sie viel kleiner sind als die geplanten riesigen Plantagen in den Regionen Samarkand und Namangan, sind interessant, weil erst kürzlich angebaut wurden und den Erfolg dieser Ernte unter den Bedingungen Usbekistans deutlich zeigen. Sie sind sogar zu einer lokalen Touristenattraktion geworden – ein bekannter Agritourismus-Standort im Ferghana-Tal. So berühmt, dass die Eigentümer bereits vor der COVID-19-Pandemie ihre Besuche auf Wochenenden oder nach vorheriger Absprache für große Gruppen von Bürgern beschränken mussten.

In der Mahalla (Bürgerversammlung) von Urozimergan, Bezirk Uchkuprik, Region Ferghana, befindet sich die Verwaltung des Unternehmens MEHRIGIO – ein moderner Agrocluster zur Herstellung umweltfreundlicher Bio-Produkte. Das Unternehmen Mehrigie, was auf Usbekisch „Gute Pflanzen" bedeutet, wurde 1992 von einem traditionellen Heiler, dem Phytotherapeuten Ali Abdurazakov, im Volksmund als „Doktor Ali“ bekannt, gegründet.

Heute besitzt der Agrocluster mehr als 220 Hektar eigenes Land. 200 davon sind Berggebiete im Distrikt Pap in der Region Namangan, wo die saisonale Ernte von Heilpflanzen, die sowohl für die usbekische Volksmedizin als auch für die moderne europäische Medizin traditionell sind: Salbei, Johanniskraut, Ziziphora, Schafgarbe, Immortelle und Wacholder. Dort wird auch bittere Wassermelone angebaut – einer der Bestandteile des Markengetränks „Alatoo". Auf zwanzig Hektar in der Nähe von Kokand befinden sich Lavendelwiesen, Kiwi-, Papaya- und Olivenplantagen sowie Versuchspflanzungen anderer exotischer Pflanzen für Usbekistan – der sogenannte "Gesundheitsgarten von Dr. Ali".

"Dr. Alis Garten der Gesundheit". Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Wegweiser für Besucher und Touristen im "Dr. Alis Garten der Gesundheit". Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Lavendelfelder in "MEHRIGIO" sind unter Berücksichtigung ihrer häufigen Besuche durch Touristen und Patienten angeordnet. Es gibt spezielle Bereiche für Fotoshootings, Pavillons zum Entspannen und spezielle Jurten für die Aromatherapie.

In Usbekistan blüht Lavendel zweimal im Jahr - im Juni und Oktober. Es werden zwei Lavendelsorten angebaut – die klassische englische und eine Hybridsorte mit größerer Frostbeständigkeit, höheren Erträgen und einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen – bis zu 3% der Pflanzenmasse. 

Im Agrocluster wird Lavendel nicht nur zur Ölgewinnung angebaut. Zwischen den Plantagen stehen Bienenstöcke, und in der Sommerhitze schwirren unzählige Bienen über lilafarbene Wiesen und sammeln heilenden Honig. Und für die Aromatherapie stellt MEHRIGIO spezielle mit Lavendel gefüllte Kissen her.

Die Bepflanzung im „Garten der Gesundheit des Dr. Ali“ ist äußerst vielfältig.

Olivenplantagen bringen noch keine großen Erträge. Aber das wird hier nicht von ihnen verlangt. Die Phytotherapeuten von Mehrigie glauben, dass Tees aus den Blättern junger Oliven, die gerade anfangen, Früchte zu tragen, antivirale Eigenschaften haben.

Unreife Olivenfrucht. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Junge Kiwis. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Blüten von Cassia oder Senna von Alexandria. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

 Goji-Beeren. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Papaya gibt unter usbekischen Bedingungen überhaupt keine Früchte im Freien, sondern nur in Gewächshäusern. Obwohl dies für die Produktionslinie des Agroclusters ebenfalls unkritisch ist, kann aus den Blättern der Pflanze auch Milchsaft gewonnen werden, der den biologisch aktiven Wirkstoff Papain enthält.

Kiwi verträgt lokale milde Winter perfekt. Die Früchte erscheinen im Frühjahr, sollten aber bis Mitte Herbst singen. Dann erhalten sie eine Honigsüße, die Sie in importierten unreifen und daher sauren Früchten, die in Supermärkten verkauft werden, nicht finden werden. Kiwis sind zweihäusige Pflanzen, und um Früchte zu ernten, ist es notwendig, männliche Pflanzen neben weiblichen Pflanzen auf derselben Plantage anzubauen.

Goji-Beeren (auch bekannt als Dereza) können von Mai bis Oktober geerntet werden. Obwohl es empfohlen wird, sie getrocknet zu essen. Als ob Goji-Beeren ein seltenes chemisches Element enthalten, Germanium, das die Alterung von Gehirnzellen verhindert, was als Vorbeugung gegen Alzheimer und Altersdemenz dienen kann. Dieselbe Wirkung schreiben die Phytotherapeuten von Mehrigie, basierend auf den Kanons der chinesischen Medizin, der Reliktpflanze Ginkgo biloba zu, die bis in unsere Tage aus der Jurazeit überliefert ist.

Papayaplantage. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Kamille eine vielseitig anwendbare Heilpflanze für jede Hausapotheke. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Arabica-Kaffee. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana" 

Königliche Bananenblüte. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Die königlichen Bananen reifen. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Einige Eigenschaften, die traditionelle Heiler einer Reihe exotischer und weit verbreiteter Pflanzen zuschreiben, werden nicht durch maßgebliche klinische Studien der modernen westlichen Medizin gestützt. Aber die Firma MEHRIGIO stellt auch keine Medikamente her. Die Produkte des Agroclusters – Kräuterzubereitungen, Kräutertees, Balsame, Säfte, Sirupe und Honig – sind immer noch auf dem lokalen Markt weit verbreitet und werden nach und nach in die Russische Föderation, Kasachstan und Kirgisistan exportiert, beanspruchen nur den Status von umweltfreundlich und 100% biologisch angebauten Produkte.


Forderungen nach BIO-Ware sind durchaus berechtigt. Beim Anbau von Pflanzen wird hier auf Herbizide, Pestizide und Mineraldünger verzichtet. Und bei der Herstellung von Fertigprodukten werden keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Zucker und seine Ersatzstoffe verwendet.

Verkaufsladen mit einer Vielzahl von Produkten von "MEHRIGIO". Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Bauern auf einer Plantage. Foto: Andrey Kudryashov/ "Fergana"

Im Dezember 2020 erhielt MEHRIGIO zwei internationale Bio-Zertifikate: das amerikanische USDA ORGANIC und das europäische EU ORGANIC von der niederländischen Control Union Certifications. Basierend auf dieser Zertifizierung erwartet das Agrocluster, in naher Zukunft den Weg für den Export seiner Produkte in die Märkte der USA, Europas und Saudi-Arabiens zu ebnen.

Jede Branche hat ihre eigenen Meilensteine und Ambitionen. Fergana-Korrespondenten zum Beispiel freuen sich vor allem über Zeichen der Vielfalt in Landschaften, wo vor zehn Jahren nur Baumwollfelder zu sehen waren.

Quelle: Fergana.media; Fotos: Andrey Kudryashov/ "Fergana"


Empfohlene LINKS:

ALIHAN ORGANIC AGRO LLC
Control Union Certifications

YOUTUBE: Lavanda Festivali | The First Ever Held Lavender Festival In Uzbekistan

YOUTUBE: SWR Landesschau Rheinland-Pfalz - LAVENDEL: Lavendel ist für seine heilende Wirkung bekannt. Als Arzneipflanze wird er unter anderem wegen seiner beruhigenden Wirkung eingesetzt. Doch die Pflanze kann noch mehr.

KONTAKT: MEHRIGIO
Adresse : Republik Usbekistan, Region Ferghana,
Bezirk Uchkuprik, Ul. Urozimergen-94
Telefon : +998974220205
Mobil: +998 98 707 31 03
E-Mail : info(at)mehrigiyo.uz
INTERNET: https://mehrigiyo.uz
Facebook: https://www.facebook.com/mehrigiyo.uz/photos/

Internationale Ausstellung 2022:
26-th International Trade Fair for Pharmaceuticals Products
INTERNATIONAL MEDICAL AND PHARMACEUTICAL BUSINESS FORUM
December 2-5,  Moscow, Expocentre Fairgrounds

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Tourismus und Regionalentwicklung in Usbekistan

Oybek Ostanov, Direktor DOCA TOURS, Schriftsteller und Übersetzer usbekischer Literatur; FOTO: ALEXANDER RYBIN

Wie lebt der Tourismussektor in Usbekistan? Interview mit dem Direktor eines der Reisebüros in Samarkand – Oybek Ostanov

Der Tourismus hat sich in den letzten Jahren zu einem der vielversprechendsten Sektoren der usbekischen Wirtschaft entwickelt. Die im Jahr 2020 einsetzende Pandemie wirkte sich jedoch äußerst negativ auf diesen Markt aus. Der Fergana-Korrespondent sprach mit Oybek Ostanov, dem Leiter des Samarkand-Reiseunternehmens DOCA TOURS,  über die Aussichten der Tourismusbranche und ihren aktuellen Stand.

Im September diesen Jahres findet in Samarkand eine ziemlich große Veranstaltung statt – der Gipfel der Shanghai Cooperation Organization (SCO). Glauben Sie, dass dies der Entwicklung des Tourismus in Samarkand und im Allgemeinen in Usbekistan neue Impulse geben wird?

Samarkand - UNESCO Weltkulturerbe - Gur Emir; Foto: USBEKISTAN-GALERIE • Bodo Thöns 

Natürlich ist es ein sehr großes Plus für Samarkand, dass der SCO-Gipfel (15.-16. September) hier in einer Touristenstadt stattfinden wird. Aber Sie müssen verstehen, dass die Gäste der Veranstaltung speziell kommen, um am Gipfel teilzunehmen, und nicht, um zu reisen. Aber die Folgen dieses Gipfels können sich sehr positiv auf die Tourismusbranche sowohl in Samarkand als auch in Usbekistan insgesamt auswirken, denn dank der Informationsunterstützung erfährt die Welt mehr über die Stadt, über unser Land.

Was die Hoteliers betrifft, so können sie mit der Beherbergung der Gipfelgäste sicherlich erhebliche Einnahmen erzielen. Dieser Sektor der Tourismusbranche wird vom Gipfel profitieren, aber wiederum nicht die Unternehmen, die Touren organisieren.

Kann die Abhaltung des Gipfels später die Zunahme des Zustroms chinesischer Touristen (China ist Mitglied der SOZ) nach Usbekistan beeinflussen? Aktuell gibt es nicht mehr so viele von ihnen im Land. Obwohl beispielsweise in Europa ein erheblicher Teil der Touristen ausgerechnet Chinesen sind, gibt es sogar ganze Unternehmen, die sich speziell auf die Organisation von Reisen für chinesische Staatsbürger konzentrieren.

Richtig – Chinesen reisen viel, aber in Usbekistan gibt es immer noch sehr wenige von ihnen. Dasselbe gilt übrigens für die Amerikaner – sie kommen auch selten nach Usbekistan.

Ich denke, dass sich die Chinesen noch nicht für den Raum Zentralasien als Reiseziel interessieren, da sie das touristische Potenzial der Region nicht kennen. Elementar: Wir haben Hotels auf hohem Niveau, aber in China wissen sie nichts davon und verstehen nicht, wo sie übernachten können, wenn sie in die Region kommen.

Aber in Usbekistan, wenn es vor 2015 etwa tausend Hotels gab, gibt es jetzt dreitausend – und das sind Hotels auf anständigem Niveau. Potenzielle Touristen aus China sollten dies wissen, damit sie Lust bekommen, zu uns zu kommen. Das heißt, unsererseits gibt es nicht genügend Informationen, die darauf abzielen, das Reisen in Usbekistan und anderen Ländern Zentralasiens bekannt zu machen.

Konkret, für wen organisiert Ihr Unternehmen Touren? Welche Touristen haben Sie im Visier?

Wir haben uns hauptsächlich auf europäische Touristen konzentriert, da ich selbst lange Zeit als Reiseleiter für deutschsprachige Reisende gearbeitet habe, in Deutschland gelebt und studiert habe. Ich kenne die Mentalität der Deutschen und Europäer im Allgemeinen und ihre Reisebedürfnisse.

Was mögen sie?

Sie lieben den lokalen usbekischen Geschmack. Wir bauen jetzt verschiedene „Städte“, ich wurde wiederholt eingeladen, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die dort Hotels bauen. Das sind Hotels im westlichen Stil, also das, was die gleichen Deutschen in ihrem eigenen Land sehen können. Aber wenn die Europäer nach Usbekistan reisen, wollen sie dort so leben, wie die Einheimischen leben. Für sie ist die Lage des Hotels sehr wichtig – sie werden nicht daran interessiert sein, von Wolkenkratzern umgeben zu sein, die jetzt im Rahmen der Umsetzung des Projekts der gleichen "Samarkand City" gebaut werden.

Eines der im Bau befindlichen Hotels in Samarkand City. Foto: Alexander Rybin, IA "Fergana" 

Europäer sind daran interessiert, in einem solchen Hotel zu wohnen, wo sie in den lokalen Flair eintauchen können. Riesige Hotels außerhalb beispielsweise der „Altstadt“ von Samarkand oder am Rande der Stadt werden keine europäischen Massentouristen anziehen. Daher bin ich überrascht, dass wir beim Versuch, den Tourismus in Usbekistan zu entwickeln, eine riesige Infrastruktur schaffen, die westliche Modelle kopiert, aber die keine Merkmale unseres Landes aufweisen.
In Buchara zum Beispiel wohne ich sogar gerne in der Altstadt. Im "jüdischen Viertel" von Buchara gibt es viele Hotels, kleine Boutique-Hotels - Sie gehen dorthin und sehen den lokalen Geschmack: Muster, Möbel und so weiter. Das bedeutet, in einem solchen Hotel tauchen Sie in die traditionelle usbekische Atmosphäre ein.
Es gibt Europäer, die es bevorzugen, wo unsere Leute normalerweise essen. Sie brauchen keine riesigen Restaurants, in denen alles verwestlicht ist und die Muster europäischer oder amerikanischer Restaurants wiederholen. Europäische Touristen kommen nach Usbekistan, um genau das „typisch Usbekische" zu fühlen, und nicht, um den Anschein dessen zu sehen, was sie zu Hause umgibt. Unsere Gäste suchen das Besondere, den usbekisch orientalischen Flair.

Wir organisieren oft Besuche in nationalen Häusern für Touristen. Es gibt Familien in Samarkand, mit denen wir zusammenarbeiten, sie haben ihre eigenen Häuser, Höfe, Bäume. Manchmal bringe ich unsere Kunden zu mir nach Hause – ich lebe in einem Privathaus in der Mahalla (Gemeinde). Ich weiß, dass europäische Touristen sehr an dieser Welt interessiert sind, sie wollen von innen sehen und spüren, wie eine gewöhnliche usbekische Familie lebt, welche Traditionen es gibt!.

Ich betreibe meinen Youtube-Kanal und mache dort Inhalte in Fremdsprachen, die nur die verschiedenen Aspekte des usbekischen Lebens zeigen, die für Ausländer interessant sein könnten. Und das alles ist mit unseren lokalen Traditionen verbunden.

YOUTUBE: DOCATOURS - Top 10 reasons why you should visit Uzbekistan

Ist Aktivtourismus in Usbekistan bei europäischen Reisenden gefragt – Bergsteigen, Rafting auf Flüssen?

Ja, das wird gefordert. Wir organisieren auch Trekkingtouren. Allerdings fehlt es noch an Infrastruktur, um diese Tourismusrichtung aktiver zu entwickeln. Es wäre wünschenswert wie in der Türkei, wo der Aktivtourismus eine große Anzahl von Ausländern anzieht.

Und doch gibt es Bewegungen. So gibt es beispielsweise in der Region Jizzakh Bergdörfer, deren Bewohner das touristische Potenzial erkannt haben und Kredite aufnehmen, um die notwendigen Voraussetzungen für die Aufnahme von Reisenden selbst zu schaffen.

11 % des Einkommens in der Weltwirtschaft sind Einnahmen aus dem Tourismus. Stellen Sie sich vor, das sind riesige Zahlen. Es gibt Länder und Regionen, in denen der Tourismus den Löwenanteil der Einnahmen in die lokalen Haushalte einbringt. Das gleiche Dubai: Vor 15 Jahren lebten sie dort nur von den Öleinnahmen, und jetzt gehen Millionen von Touristen dorthin. Diese Stadt wird jährlich von etwa 20 Millionen Ausländern besucht. Gleichzeitig hat Dubai kein solches historisches und kulturelles Potenzial wie in Usbekistan, was für Reisende von Interesse sein könnte.

Im Jahr 2019 besuchten mehr als 6 Millionen Menschen Usbekistan. Aber die meisten von ihnen sind keine Touristen, sie kamen nach Usbekistan, um Verwandte und Bekannte zu besuchen. Es gab nur 488.000 echte Reisende von diesen 6 Millionen Menschen, die hier mindestens 500 Dollar hinterlassen haben. Das heißt, sie haben tatsächlich in die Wirtschaft Usbekistans investiert.

Die jährlichen Gesamteinnahmen Usbekistans aus dem Tourismus beliefen sich 2019 auf 1,3 Milliarden Dollar, allein in Dubai brachte der Tourismus 120 Milliarden Dollar ein, und sie haben fast keine historischen Sehenswürdigkeiten. Wir haben mehr als 8.000 verschiedene historische Objekte, von denen 500 besichtigt werden können.

Was genau wird in Usbekistan nicht oder nicht ausreichend genutzt, um das lokale touristische Potenzial zu nutzen?

Im Jahr 2016 verabschiedete Usbekistan ein Präsidialdekret über Maßnahmen zur Entwicklung des Tourismus. Seitdem hat sich in diesem Bereich viel getan, was aus dem einen oder anderen Grund seit 26 Jahren nicht mehr getan wurde. Besonders positiv war die Einführung für eine visumfreies Regime für Bürger aus 86 Ländern.

Es gibt viele Vorteile, es gibt Darlehen für diejenigen, die den Empfang von Touristen organisieren möchten. Das Regime des Grenzübertritts zu den Nachbarländern wurde vereinfacht. Ich arbeite seit 2009 in der Tourismusbranche, und früher kam es zum Beispiel vor, dass beim Überqueren einer von mir begleiteten Gruppe von Ausländern die Grenze zu Tadschikistan jeder Koffer von Grenz- und Zollbeamten geöffnet und genau untersucht wurde. Du investierst so viel Zeit und Nerven dafür. Und sie waren nur drei Tage dort. Wenn Sie jetzt dieselbe Grenze passieren, dauert es 15 bis 20 Minuten.

Was hindert Usbekistan daran, den Touristenstrom zu erhöhen?

Erstens brauchen wir dringend Werbung, die darauf abzielt, Ausländer anzuziehen. Mein Youtube-Kanal soll nur den Mangel an solchen Informationen ausgleichen.

YOUTUBE: DOCATOURS - The mystery of the sacred fishes of the Chashma complex in Nurata

Es gibt ein Problem beim Fotografieren und Filmen aus unbemannten Luftfahrzeugen, Drohnen. Und das ist sehr bedauerlich. Inzwischen ist es normal, dass Touristen um die Welt reisen und mit Drohnen fotografieren. Aber leider nicht bei uns.

Es fehlt die Infrastruktur. Dies betrifft auch die Straßen. Einige von ihnen sind schwer zu befahren, weil sie komplett kaputt sind. Teilweise wird dieses Problem natürlich durch das Aufkommen vieler inländischer Flug- und Bahnflüge gelöst. Der Afrasiab-Hochgeschwindigkeitszug zum Beispiel ist einfach ein Glücksfall.

Auf Langstrecken leidet die Toilettenkultur, da auf Autobahnen keine normale Infrastruktur vorhanden ist, und das ist sehr traurig.

Ein weiterer Punkt, der die Entwicklung des Tourismus behindert, ist, dass die Preise für Flugtickets nach Usbekistan aus anderen Ländern sehr hoch sind. Beispielsweise kostet ein Hin- und Rückfahrticket von Frankfurt nach Taschkent im Schnitt 650 Euro. Das ist sehr teuer. Somit ist Usbekistan als Reiseziel ein sehr teures Vergnügen.

Und unsere Hotels sind auch nicht billig. Erschwingliche Herbergen erscheinen, aber sie lösen das Problem nicht. Die meisten europäischen Touristen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind über 65 Jahre alt. Sie werden nicht einverstanden sein, in Hostels zu bleiben. Nicht in diesem Alter, wissen Sie.

Schreckt die Tatsache, dass Usbekistan an das jahrzehntelang unruhige Afghanistan grenzt, potenzielle Touristen ab?

Es ist abstoßend. Aber nicht für Europäer. Dieser Faktor ist für die Amerikaner beängstigender. Auch hier ist das Problem ein Informationsproblem – wir müssen den Ausländern mehr sagen, dass mit der Sicherheit in Usbekistan alles in Ordnung ist, obwohl wir eine gemeinsame Grenze mit Afghanistan haben.

Der Medienbereich, der mehr über Usbekistan und sein touristisches Potenzial außerhalb des Landes erzählen könnte, ist in unserem Land leider sehr schwach entwickelt.

Vor der Pandemie besuchte unsere Firma DOCA TOURS jährlich bis zu 13 tourismusbezogene Messen in Europa. Dies ist eine großartige Gelegenheit, über Usbekistan zu sprechen und Reisende hierher zu locken. Ich habe zum Beispiel einen Katalog in Deutschland mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren herausgegeben und kostenlos auf Messen verteilt. In Reiseführern war ich immer wieder für unser Land. Außerdem übersetze ich seit etwa 10 Jahren usbekische Bücher in europäische Sprachen. Auf diese Weise haben wir unser Unternehmen schnell entwickelt. Das ist intelligentes Marketing.

Wie hat sich die Pandemie auf die Tourismusbranche ausgewirkt?

„Im Jahr 2020, als die Pandemie begann, war das ein Horror für unser Geschäft. Ich hatte in diesem Jahr Touren für 1200 Personen gebucht. Viele haben bereits Flugtickets gekauft, die etwa 200.000 Dollar kosten. Die Kunden begannen sich Sorgen zu machen, die Stornierungen von Touren begannen. Zweieinhalb Jahre lang musste ich das bereits für Touren ausgegebene Geld zurückzahlen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben die Arbeit im Tourismus aufgrund der Pandemie komplett aufgegeben.

In diesem Jahr war der Start für die Tourismusbranche sehr gut. Nach dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts zwischen Russland und der Ukraine begannen die Kunden jedoch erneut, Reisen nach Usbekistan abzulehnen.

Wie sind die Aussichten für dieses Jahr im Bereich Tourismus?

Traditionell haben wir im Sommer nicht so viele Touristen, weil es sehr heiß ist. Für die Herbst-Winter-Saison gibt es Gruppen, die Usbekistan besuchen möchten. Aber noch einmal, ich wiederhole – es gibt nicht genug Werbung.

Jetzt erstelle ich eine Website, die als Enzyklopädie verschiedener Orte in Zentralasien funktionieren wird – von Museen bis hin zu Dörfern. Ich hoffe, dass dies für die Entwicklung des Tourismussektors in Usbekistan und den Nachbarländern Früchte tragen wird.

Quelle/Foto: fergana.media; ALEXANDER RYBIN

Samarkand - Registan bei Nacht; Foto: USBEKISTAN-GALERIE • G.Birkl
Kontakt:
DOCA TOURS
Discover Oriental Central Asia
Shota Rustaveli str., 34A, UZ-140117 Samarkand
Tel.: +99893 350 20 20, E-Mail: info(at)doca-tours.com
Web: www.doca-tours.com | Youtube-Kanal
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Usbekistan stellt den Busverkehr mit russischen Städten wieder her

uz_bustransfer; FOTO: KUN.uz
Ab dem 18. Juli startet Usbekistan drei Buslinien in russische Städte, teilte das Verkehrsministerium mit.

Nach Angaben des Ministeriums wird der regelmässige Busverkehr mit Moskau, Kasan und St. Petersburg ab dem 18. Juli wieder aufgenommen. Der Service wird von Uzautotrans in Yutong-Bussen angeboten.
Busse nach Moskau fahren montags und donnerstags um 12:00 Uhr ab. Die Kosten für ein Ticket in diese Richtung betragen 1 Million Sum (ca. 90,83 EUR*).

Die Busverbindung „Taschkent-Kasan“ wird dienstags und freitags betrieben. Die Busse fahren um 11:00 Uhr vom Busbahnhof in Taschkent ab. Der Ticketpreis beträgt 800.000 Sum (ca. 72,66 EUR*).

Auf der Strecke „Taschkent-St. Petersburg" wird der Gottesdienst mittwochs und samstags durchgeführt. Die Busse fahren um 16:00 Uhr vom Busbahnhof in Taschkent entlang der Strecke. Das Ticket kostet 1.250.000 Soum (ca. 113,53 EUR*).
* Stand 7/2022 (Umrechnung)

Quelle/Foto: KUN.uz 

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Arbeitsmigration – „gute Leute aus Kirgistan und Usbekistan“

Europa-Park Haupteingang; Foto: WIKIPEDIA - Ice Boy Tell
Europa-Park-Geschäftsführer Roland Mack kämpft derzeit mit Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung, wettert gegen Ansprüche junger Menschen. Europa-Park: Roland Mack kritisiert fehlende Wertschätzung seitens der Politik für Freizeitparks.

Der Europa-Park hat derzeit Schwierigkeiten, neues Personal zu finden. Als Grund nennt Geschäftsführer Roland Mack unter anderem die zu hohe Anspruchshaltung der Bewerber.

Rust - Während in den vergangenen 45 Jahren ein Personalengpass für Europa-Park-Chef Roland Mack nicht vorstellbar war, hat er heute große Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu finden. Insbesondere seit der Pandemie habe sich die Personalsituation verschlechtert, so Mack gegenüber der Basler Zeitung. Er traue sich derzeit nicht einmal, ein neues Hotel zu bauen – aus Sorge, dass die Anzahl der verfügbaren Mitarbeiter nicht reicht, berichtet BW24. Der Zustand mache ihm „wirklich enorm zu schaffen“.

Der Park-Chef fragt sich laufend: „Wo sind denn all diese Leute, die es vor der Pandemie gegeben hat?" Eine Antwort darauf habe man im Europa-Park noch nicht gefunden. Inzwischen werbe man deshalb Mitarbeiter aus Zentralasien an.

Wir suchen – und finden zum Glück – mittlerweile gute Leute aus Kirgistan und Usbekistan

Europa-Park-Chef Roland Mack

Auch 30 ukrainische Flüchtlinge haben bereits einen Job im Europa-Park gefunden. 

Panorama Poseidon, im Hintergrund Silver Star, Eurosat, Euro-Tower und Matterhorn-Blitz, außerdem die Schiene des EP-Express (2003); Foto: WIKIPEDIA 

Europa-Park-Chef Roland Mack: „Da kommen 25-Jährige und wollen nur drei Tage arbeiten"
Ein Problem in Sachen Personalbeschaffung sieht Mack vor allem darin, dass jüngere Bewerber heutzutage zu hohe Ansprüche hätten. Das Wort „Work-Life-Balance" bereite ihm Sorgen. „Da kommen 25-Jährige und wollen nur drei Tage arbeiten - dabei haben die das ganze Leben noch vor sich, könnten hier etwas werden, Verantwortung übernehmen, Karriere machen.“ Als „riesiges Problem" sieht Mack auch das Thema Homeoffice. „Nicht strukturell, das wäre für viele möglich, aber wenn ich an die Gleichbehandlung denke: Das geht einfach nicht.“

Auf die Forderung nach Work-Life-Balance und Homeoffice habe der Europa-Park bereits mit Erhöhungen der Löhne reagiert, so Mack. Doch auch das sei nicht einfach. „Wir zahlen ja schon weit über dem Mindestlohn, haben die Löhne nun nochmals angehoben. Aber das hilft nicht, wenn die erste Frage ist: „Muss ich am Wochenende arbeiten?“ Mack betont, dass auch er selbst am Wochenende arbeite und seinen Angestellten das vorlebe, was er von ihnen erwarte. „Wenn unsere stärksten Tage im Park die Wochenenden sind, kann ich nicht schön in die Ferien fahren, wenn meine Mitarbeiter hart arbeiten. Ich muss genauso vor Ort sein.“ Er geht jedoch noch weiter: Der Park sei für ihn „auch eine halbe Droge.“ So habe er sein ganzes Leben lang keine Hobbys aufgebaut, weil sein Hobby seine Arbeit sei.

Quelle: 24rhein.de; Sina Alonso Garcia; Fotos: WIKIPEDIA

Kontakt:
Europa-Park GmbH & Co Mack KG
Europa-Park-Straße 2
77977 Rust
Deutschland
https://www.europapark.de/de
Tel: 07822 77-6688
info(at)europapark.de

Infomaterial | Anreise
Beratung in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch.

Empfohlene LINKS:
WIKIPEDIA - Europa-Park

Beiträge USBEKISTAN-ONLINE
Usbekische Migranten zur Unterstützung der deutschen Wirtschaft   

Werbung für den Europa-Park; Zeppelin NT n07 Friedrichshafen; Foto: Olga Ernst WIKIPEDIA 

YOUTUBE: Ferien im Freizeitpark: Europa-Park | SWR Treffpunkt 

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Ursprung der mittelalterlichen Pest-Pandemie

issyk_kul_jurtencamp; Quelle: WIKIPEDIA
Die größte Pandemie in der Menschheitsgeschichte, ist nach neuesten Erkenntnissen im 14. Jahrhundert von Zentralasien ausgegangen.
Forschende haben den Ursprung des Schwarzen Todes identifiziert. Die Spur führt in das Tian Shan-Gebirge in Kirgisistan.


Neue Erkenntnisse: Woher die Pest kam
Der Ursprung der mittelalterlichen Pestpandemie (1346–1353 n. Chr.) war aufgrund der weitreichenden demografischen und gesellschaftlichen Auswirkungen und lang anhaltenden Folgen der Pandemie Gegenstand kontinuierlicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Nun berichten Forschende, wo die Quelle der damaligen Seuche war.

Der sogenannte „Schwarze Tod", die größte Pandemie in der Menschheitsgeschichte, wurde durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht. Zwischen 1346 und 1353 raffte der Pesterreger einen Großteil der Bevölkerung dahin. Die Quelle der Seuche ist seit langem ein Rätsel. Forschenden ist es nun gelungen, den Ursprung der damaligen Pestpandemie in Zentralasien zu verorten. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Bis zu 60 Prozent der Bevölkerung gestorben
Wie in einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) erklärt wird, gelangte die Pest im Jahre 1347 erstmals über Handelsschiffe aus dem Schwarzen Meer aus den Siedlungsgebieten der „Goldenen Horde“, einem Teil des Mongolenreichs, in den Mittelmeerraum.

Die Infektionskrankheit breitete sich rasch über Europa, den Nahen Osten und Nordafrika aus und raffte in einem einzigen großen Ausbruch, der als Schwarzer Tod bekannt wurde, bis zu 60 Prozent der Bevölkerung dahin.

Diese erste Infektionswelle weitete sich zu einer 500 Jahre andauernden Pandemie aus, der sogenannten Zweiten Pestpandemie, die bis in das frühe 19. Jahrhundert andauerte.

Kolorierter Kupferstich eines Pestdoktors von Paul Fürst, Der Doctor Schnabel von Rom, ca. 1656; Quelle: WIKIPEDIA 
Theorien über Ursprünge
Seit langem werden die Ursprünge der Zweiten Pestpandemie in Fachkreisen debattiert. Eine der populärsten Theorien besagt, dass sie womöglich in Ostasien, speziell in China, ihren Ursprung hatte.

Dieser Theorie stehen aber archäologische Funde aus Zentralasien entgegen, die aus einem Gebiet nahe des Yssykköl-Sees im heutigen Kirgisistan stammen, in den Ausläufern des Tian Shan-Gebirges. Diese belegen einen Pestausbruch innerhalb einer lokalen Handelsgemeinschaft in den Jahren 1338 und 1339.
Den Angaben zufolge wurden bei Ausgrabungen vor fast 140 Jahren Grabsteine gefunden, deren Inschriften darauf hindeuten, dass diese Menschen einer unbekannten Epedemie zum Opfer gefallen sind. Seit ihrer Entdeckung sorgten die in Syrisch-Aramäischer Sprache beschrifteten Grabsteine hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Schwarzen Tod in Europa bei Fachleuten für Kontroverse.

Pestbakterium Yersinia pestis nachgewiesen
In der vorliegenden Studie analysierte ein internationales Forschungsteam, darunter Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Universität Tübingen und der University of Stirling in Großbritannien, alte DNA aus menschlichen Überresten sowie historische und archäologische Daten zweier Fundstätten, an denen Pest-Inschriften gefunden wurden.

Bereits die ersten Ergebnisse waren ermutigend: So ist es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gelungen, bei Personen, die laut Grabsteininschrift im Jahre 1338 verstorben sind, DNA des Pestbakteriums Yersinia pestis nachzuweisen.

Yersinia pestis, Kolonie. Raster-Elektronenmikroskopie. Maßstab = 500 nm

Quelle: Muhsin Özel, Gudrun Holland, Rolf Reissbrodt/ RKI 

„Wir konnten endlich nachweisen, dass die auf den Grabsteinen erwähnte Epidemie tatsächlich durch die Pest verursacht wurde“, erläutert Phil Slavin, einer der Hauptautoren der Studie und Historiker an der University of Sterling.

Ursprungsstamm und genauen Ausbruchszeitpunkt bestimmt

Könnten die Forscherinnen und Forscher den Ursprüngen des Schwarzen Todes auf die Spur gekommen sein? Bisher wurde der Ausbruch des Schwarzen Todes mit einer massiven Diversifizierung der Peststämme in Verbindung gebracht, einem sogenannten „Urknall der Pestdiversität“.

Der Zeitpunkt dieses Ereignisses konnte aber nicht genau bestimmt werden – bisher wurde er zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert eingeordnet. Die Forschenden haben jetzt vollständige alte Pestgenome aus den Fundorten in Kirgisistan zusammengesetzt und untersucht, wie sie mit diesem Urknall-Ereignis zusammenhängen könnten.

„Wir fanden heraus, dass sich die alten Stämme aus Kirgisistan genau am Knotenpunkt dieses massiven Diversifizierungsereignisses befinden. Es ist uns also tatsächlich gelungen, den Ursprungsstamm des Schwarzen Todes und seinen genauen Ausbruchszeitpunkt – das Jahr 1338 – zu bestimmen“, erklärt Maria Spyrou, Erstautorin und Forscherin an der Universität Tübingen.

Vorfahre in Zentralasien entstanden

Aber woher kam dieser Stamm? Hat er sich lokal entwickelt oder wurde er in die Region eingeschleppt und breitete sich dann aus? Es ist bekannt, dass die Pest keine Krankheit ist, die im Menschen ihren Ursprung hat; das Bakterium Y. pestis überlebt in wilden Nagetierpopulationen auf der ganzen Welt – in sogenannten Pestreservoirs.

Der alte zentralasiatische Stamm, der die Epidemie von 1338 bis 1339 am Yssykköl-See verursachte, muss laut den Fachleuten also aus einem solchen Reservoir stammen.

„Moderne, mit dem alten Stamm am engsten verwandte Stämme finden wir heute in Pestreservoirs rund um das Tian Shan-Gebirge, also ganz in der Nähe des Fundortes dieses alten Stammes. Der Vorfahre des Schwarzen Todes scheint also in Zentralasien entstanden zu sein“, so Johannes Krause, Hauptautor der Studie und Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen: Gesundheits-News; Autor: Alfred Domke

Quellen:

  • Max-Planck-Gesellschaft: Ursprung des Schwarzen Todes identifiziert, (Abruf: 19.06.2022), Max-Planck-Gesellschaft
  • Maria A. Spyrou, Lyazzat Musralina, Guido A. Gnecchi Ruscone, Arthur Kocher, Pier-Giorgio Borbone, Valeri I. Khartanovich, Alexandra Buzhilova, Leyla Djansugurova, Kirsten I. Bos, Denise Kühnert, Wolfgang Haak, Philip Slavin, Johannes Krause: The source of the Black Death in fourteenth-century central Eurasia; in: Nature, (veröffentlicht: 15.06.2022), Nature

Die Pest wütete in ganz Deutschland, in Bayern: Kirchenchronik Stift Reichenberg 1649, Aufzeichnung Sterbeliste ganzer Familien; Foto: G. Birkl

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EID MUBAKRAK – IYDUL ADHA in Usbekistan und für Usbeken im Ausland

Usbekisches Familienfest - Kurban Hayit; Foto: Habiba
Das islamische Opferfest Kurban Hayit wird vom 9.7. bis 13.9.2022 weltweit gefeiert.

Habiba erinnert sich: „Als wir klein waren, hatten wir die besondere Vorbereitung auf dieses Fest gespürt, dass es ein „Hayit“ gibt. Der Begriff "Hayit" kommt ursprünglich vom arabischer Wort "Iyd", was "Feier" bedeutet.“

Für Usbeken ist das Wort Hayit sehr berühmt. Hayit feiert man zweimal im Jahr. Es gibt ein kleines Hayit (Iyd as-sagir) und ein großes Hayit (Iyd al-kabir).

Das kleine Hayit kommt nach dem Ramadan Fest, hat noch eine andere Bezeichnung: Iyd al-fitr. Das große Hayit ist ebenfalls unter einem anderen Namen bekannt: Iydul-Adha.

Die Tage von Hayit werden jährlich unterschiedlich gefeiert, werden nach dem muslimischen Kalender berechnet. Der muslimische Jahreskalender (Jahr von Hidjra – Berechnung des Jahres nach dem Umzug von Propheten Muhammad von Mekkah nach Medina) ist kürzer als modernere Kalender. Der Monat, auf den Iydul Adha (das große Hayit) gefeiert wird, heißt Zul Hijja, das ist 10.Tag im Monat. Iydul Adha (das „Kleiner Fest Iyd") wird am 1.Tag im Monat Shavval gefeiert.

Im Hayit gibt es mehrere Traditionen, z.B. den Besuch von älteren Menschen, es werden Geschenke an Kinder verteilt, es finden Festlichkeiten mit Familien statt. Der Tag beginnt mit einem morgendlichen Frühgebet von Männern in Moscheen.

Für beide Hayiten bereiten sich Usbeken extra vor: es wird neue Kleidung angeschafft, herrliche duftende Parfüms benutzt, das Haus muss generell gereinigt werden. Alles – Bewohner und Zuhause – soll auf das Fest gut vorbereitet sein.

Hayit ist ein Feiertag, an dem sich alle gegenseitig begrüßen und gratulieren. Die Kinder bekommen von Erwachsenen Hayitlik – ein kleines Geschenk, Spielzeug oder Kleingeld usw... Eine besondere Traditionen ist es, was ich oft persönlich erlebt habe, „gegenseitiges Verzeihen“ am Tag Hayit, Freunde die sich gestritten haben beenden alle Feindseligkeiten und beseitigen Missverständnisse. Ein guter Grund wieder friedlich zusammenzuleben. HAYIT ist ein Fest das mit Freude, Freundschaft, Liebe und Zusammensein vom Groß und Klein gefeiert wird.

„Einem Tag vor Kurban Bayram (oder großes Hayit) wird fast in jeder Familie Plov zu Hause vorbereitet, und an Nachbarn verteilt. Auch Nachbarn haben am diesen Tag Plov gekocht, sie tauschen gegenseitig das berühmte nationale usbekische Gericht – Plov aus. Das ist für mich bis heute ein besonderes „extra“. Diese Tradition erinnert mich an meine Kindheit. Wir hatten als Kinder zahlreiche Schüsseln mit Plovs zwischen Nachbarn verteilt und gegenseitige Plovs wieder zurück gebracht. Da gab es viele Liebe, schöne Worte, Glückwünsche von Nachbarn und natürlich noch Kleingeld für uns. Plov verteilen war oft die Aufgabe von Kindern.“

Hayit Feierlichkeiten vor 30 Jahren und Heute…
Vor 30 Jahren war Hayit mehr mit dem Gedenken einer Trauer verbunden. Wenn Leute in einem Haus gestorben waren, sollte die Familie in Hayit an diesen verstorbenen Menschen erinnern. Bekannte und Freunde der verstorbenen Personen sind an diesem Tag zur Familie gekommen um gemeinsam für ihn zu beten.

Ab 1991 Jahr wurden beide Festtage offiziell als nationale Feiertage bezeichnet. Im Lauf der Zeit wurden von den islamischen Vertretern, den Imams in Usbekistan das Bewusstsein der Bevölkerung geändert, dass beide Hayiten nicht Trauerzeiten, sondern richtige glückliche Feiertage sind. Jeder sollte am diesen Tag glücklich, froh sein und feierliche Laune haben.

Die Vertreter des Islam und Usbekische Regierung haben es geschafft, beide Hayits entsprechend zu organisieren. Bekannt ist auch, das Vertreter anderer religiöser Gruppen zu Feierlichkeiten des Islam eingeladen werden. Im Land herrscht in der multikulturellen Gesellschaft religiöser Frieden.

Respekt, Liebe gegenüber der älteren Generation 

Hayit ist zwischen Muslimen ein großer Feiertag, aber in Usbekistan und zwischen Usbeken werden diese Festtage besonders schön gefeiert. Für Usbeken gibt es offizielle Ruhetage. Es ist eine willkommen Zeit zusammen zu sein. Eine besondere Aufmerksamkeit wird dem Besuch von Großeltern, von Opas und Omas gewidmet. Es findet zuhause ein großes familiäres Fest statt, ganz so als ob es eine Hochzeit wäre. Auch in der Mahalla (Stadtviertel, Dorfgemeinschaft) besucht man die ältesten Menschen am Morgen nach dem Frühgebet. Das ist ein Respekt, Aufmerksamkeit, Liebe gegenüber der älteren Generation.

In Deutschland gratulieren sich usbekische Landsleute durch soziale Netzwerke, lange Telefongespräche mit Angehörigen und Freunden. In der usbekischen Enklave sammeln sich Usbeken in kleineren Gruppen zusammen und feiern mit Familien das Fest.

Usbekische Gruppen feiern in Bayern – in München und Augsburg
In diesem Jahr haben Usbeken in München und Augsburg wieder ein Fest für Kurban Bayram organisiert. Die Veranstaltung, das islamische Opferfest findet am 16.7.2022 ab 14:00 Uhr in Forstinning statt. Organisiert wird die Veranstaltung durch TEZPARCEL, Otabek Kholikov.

Besonders an Kinder wurde gedacht, in altersgerechten, verständlichen Texten werden liebevolle Geschichten über den Propheten erzählt, es finden Spiele statt und die Kinder können auch zu usbekischer Musik tanzen. Für den Spaß der Kleinen ist ebenfalls gesorgt, ein eigener Swimmingpool für Wasserspiele.

Es gibt zusätzlich ein Quiz für Kinder, Rund um das Thema Hayit. Als Dankeschön für die Teilnahme und Aufmerksamkeit erhalten sie kleine Geschenke. Usbekische Familien verbringen zusammen eine fröhliche, festliche Zeit. Der Tisch wird feierlich gedeckt. Es gibt ein besonderes Extra - den traditionellen usbekischen Plov vom Feuerkessel. Jeder ist herzlich willkommen!.

Beitrag/Fotos/ Kontakt:
Habiba Hamdamova
Email: hamdamovakhabiba(at)gmail.com
Tel.: +49 176 80407347

Termin: 16.7.22 um 14:00 Uhr – Kurban Osh
Veranstalter: Tezparcel GmbH und Otabek Kholikov
Eintritt: kostenlos. Jeder ist herzlich willkommen

Adresse: TEZPARCEL GmbH: Moos 4A, 85661 Forstinning

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Vom Maulbeerbaum zum Miniaturbild

Maulbeerbaum im Nurata–Gebirge, Foto: Christian Grosse
Was haben Maulbeerbaumseidenraupen und Seidenpapier gemeinsam?

Usbekistan ist berühmt für seine Handwerkskunst, die auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken kann, die aber auch bis in die Gegenwart reicht. Neben der faszinierenden Goldstickerei und Stickerei, welches das am weitesten verbreitete Kunsthandwerk der usbekischen Frauen und integraler Bestandteil der traditionellen Inneneinrichtung war, kommt die farbenfrohe Keramik als auch die faszinierenden Muster der handgeknüpften Teppiche, in Kombination mit einzigartigen Webmethoden, hinzu. Bunt und lebendig sind die Dekore der Stoffe, die hauptsächlich im Fergana Tal produ- ziert werden. Darüber hinaus findet sich noch ein weiteres Kunsthandwerk in Usbekistan, welches seinesgleichen sucht: die Miniaturmalerei.

Die Miniaturmalerei erfordert von den Künstlern zum einen eine lange und harte Ausbildung. Zum anderen ist der Prozess der Miniaturmalerei sehr arbeitsaufwendig und kompliziert. Er erfordert vom Künstler handwerkliches Geschick, Ausdauer, Fleiß, eine ruhige Hand sowie einen scharfen aber auch scharfsinnigen Blick. Und nicht zu vergessen: seine Fantasie. Ohne Fantasie wären der Miniaturmalerei Grenzen gesetzt, die der künstlerischen Freiheit entgegengesetzt wäre. Ein undenkbarer Vorgang.

Miniaturbild Atelier Ustra Davron;   Fotos: Christian Grosse

Doch nicht nur die Miniaturmalerei an sich erfordert höchste Konzentration und beste Ausbildung der Künstler. Auch das Grundmaterial muss von feinster Qualität sein: das Papier bzw. das Seidenpapier.

Um ein hohes Qualitätsniveau für eine farbintensive Miniaturmalerei zu erhalten, muss die Herstellung des Seidenpapiers höchsten Ansprüchen genügen. Daher verwenden professionelle Miniaturmaler nur Seidenpapier, welches nach alten Methoden, und ausschließlich von Hand aus mit natürlichen Materialien, hergestellt wird. Der Weg der Herstellung ist komplex, erfordert Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl, doch das Ergebnis kann sich sehen und fühlen lassen. Der Hauptgrund der Durchführung nach alten Methoden ist der, dass das Seidenpaper wegen seiner Glätte und Farbe sehr gefragt ist, sich aber primär durch seine Haltbarkeit und Stärke auszeichnet. 

Miniaturbild Atelier Ustra Davron; Foto: Christian Grosse

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Seidenpapier bis zu 2000 Jahre halt- bar und die Schrift bzw. das Bild noch sichtbar ist. Ganz im Gegensatz zum heutigen Papier. Auf dem heutigen Papier ist die Schrift nach circa 80 bis 100 Jahren, je nach Verfahrensherstellung, kaum noch sichtbar. Zu viele beigefügte Chemikalien sorgen für einen Zerfall. Was letztendlich auch zu einem sehr hohen Farbverlust der Bilder führt.
Um jedoch intensive Farbqualitäten zu erhalten beginnt alles beim Maulbeerbaum. Dieser wird bereits seit mehr als 2000 Jahren kultiviert, kommt aber auch in der freien Natur vor. Die im Sommer immergrünen Bäume oder Sträucher, die mitunter Wuchshöhen von 6 bis 15 Meter erreichen, dienen als Grundlage der Produktion von Seidenpapier. Aber auch als Grundlage von Seidenfäden durch die Maulbeerbaumseidenraupen.
Die Maulbeerbaumseidenraupen stehen heute in keinem direkten Zusammenhang mit dem Seidenpapier, was sehr oft verwechselt wird. Jedoch historisch betrachtet kann der Begriff aus für aus Seidenkokons hergestelltes Papier benutzt werden. Dieser Beitrag möchte einen kurzen Exkurs zur Seidenherstellung eingehen, um anschließend die Produktion von Seidenpapier vorzustellen.

Maulbeerbaum und Maulbeerbaumseidenraupe - Eine perfekte Symbiose

Die Maulbeerbaumseidenraupen ernähren sich ausschließlich nur von Maulbeerbaumblättern, vorzugsweise nur von den weißen.

Doch stehen die Blätter für die Raupen nicht das komplette Jahr als Ernährung zur Verfügung, sondern nur im Frühjahr. Danach werden die Maulbeerbaumblätter für die Seidenraupen, aufgrund des hohen Bitterstoffgehalts, ungenießbar.

Nachdem die Seidenraupe aus dem Ei geschlüpft ist beginnt sie fast ununterbrochen zu fressen, verbringt etwa vier Wochen im Raupenstadium, wird von vier Häutungen begleitet und nimmt bis zur Verpuppung allmählich um das 10.000-fache an Gewicht und Größe auf etwa 6-7cm zu. Gegen Ende dieses Stadiums entfallen bis zu einem Viertel des Körpergewichts auf die Drüsen, die bald beginnen Fäden zu produzieren.

Während sie ihren Kokon webt, der zu drei Vierteln aus Fibroin und aus Sericin besteht, produziert jede Raupe bis zu drei Kilometer an Fäden. Die Aufarbeitung der Fäden letztendlich zu einem Seidenprodukt, erfordert eine spezielle Technik und besondere Herstellungsverfahren. 

Seidenraupentisch mit Maulbeerbaumblättern; Foto: Christian Grosse

Seidenpapier – transparent, haltbar, ökologisch abbaubar

Eine spezielle Technik zu Herstellung von Seidenpapier wird beispielsweise bei einem der bekanntesten Miniaturmaler in Buxoro, Ustra Davron, wo ein großes Miniaturbild auch schon mal 100.000 EUR kosten kann, oder auch in Konigil bei Samarkand, verwendet.

GESCHICHTE DES SEIDENPAPIERS
Seidenpapier aus Samarkand war einst sehr berühmt in der islamischen Welt. Als 751 chinesische Soldaten nach Westen vordrangen, fügte ihnen Abu Muslim, ein persisch-muslimischer Militärgeneral im Dienste der Abbasiden-Kalifen Saffah ( 750-754) und al-Mansur (754-775), eine bittere Niederlage zu und kehrte, laut Legende, mit 20.000 Kriegsgefangenen zurück. Diese führten das Rätsel der Papierherstellung mit sich. Um ihr Leben zu retten verrieten sie das chinesische Geheimnis der Papiererzeugung, lehrten das Handwerk den Einwohnern von Samarkand, die im Laufe der Zeit die Produktion immer weiter verfeinerten. So, dass zu jener Zeit das dünnste, das haltbarste und das glatteste Papier der Welt entstand.

Eine Besonderheit war, dass es von beiden Seiten beschrieben werden konnte, ohne dass die Tinte auf der anderen Seite austrat. Im IX. und X. Jahrhundert wurden fast sämtliche Werke auf Papier aus Samarkand geschrieben. Am Fluss Siyob lag das Zentrum der Papiererzeugung. Von den dortigen 2000 Wassermühlen wurden 400 für die Papiererzeugung verwendet.

Wassermühle; Foto: Christian Grosse

Das Grundmaterial zur Herstellung von Seidenpapier sind die Äste des weißen Maulbeerbaumes. Diese werden mehrere Tage in Wasser eingeweicht, bis dann das braune Holz in aufwendiger Handarbeit vom weichen Kern getrennt wird. 

Schälen der Maulbeerbaumrinde; Foto: Christian Grosse 

Im nächsten Schritt werden die weichen, weißen, länglichen Kerne fünf bis sechs Stunden in einem großen Kessel mit heißem Wasser gekocht. Um im Folgenden sieben bis neun Stunden mit der Kraft der Wassermühle, einem technischen Kunstwerk, zu einem grauen Brei zerstampft zu werden. 

Links: Faserkerne nach dem Kochen, Rechts: Wasserkraftmechanik zum Zerstampfen

Fotos: Christian Grosse

Die graue Masse wird anschließend erneut in Wasser aufgelöst und zu einer homogenen breiigen Flüssigkeit verrührt. Mit einem speziell konstruierten Sieb mit Holzrahmen, wird der Flüssigkeitsbrei herausgefiltert. Der Prozess erfordert ein feines Gespür, da dieser Schritt letztendlich für die Dicke des Papiers verantwortlich ist.
In mehreren Schichten werden die zukünftigen Blätter, eingelegt zwischen saugenden Blättern, übereinander gelegt, um die Flüssigkeit herauszupressen. Verstärkt wird dieser Vorgang mit dem Auflegen von schweren Steinen, der je nach Dicke des Papiers, acht bis zehn Stunden in Anspruch nehmen kann. Die feuchten Blätter werden nun zum Trocknen an eine glatte, senkrechte, poröse Wand aufgehängt.

Der letzte Arbeitsschritt, der maßgeblichen Einfluss auf die Qualität des Papiers hat, ist das Glätten des Papiers. Dies geschieht auf einem Marmorstein. Das Werkzeug zum Glätten kann eine Muschel, ein Achatstein oder Horn sein. In diesem finalen Arbeitsprozess liegt das Geheimnis um die Schrift auf dem Papier, dass diese auch noch nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden zu lesen ist.

Links: Prozess der Formgebung des Papiers, Rechts: Papierglättung
Fotos: Christian Grosse

Vergleich von Seidenpapier (li) und industriellem Papier (re); Foto: Christian Grosse

Dass in Handarbeit aufwendig produzierte Papier wird heute vor allem in Usbekistan und in Japan für die Restaurierung historischer Dokumente, und wie eingangs erwähnt, als Grundlage für die Miniaturmalerei verwendet.

Der berühmteste Miniaturmaler ist Kamoliddin Behzod (1450-1535). Er war ein persischer Maler und Leiter des königlichen Ateliers in Herat und Täbris während der späten Timuriden- und frühen Safawiden-Periode. Er gilt als Höhepunkt der großen Tradition der islamischen Miniaturmalerei. Sein Werk gilt als die schönste Miniaturmalerei der Schule von Herat und ganz Zentralasiens.

Heute ist die Miniaturmalerei eine eigenständige Form der usbekischen bildenden Kunst. In Taschkent kann man im Kamoliddin Behzod Memorial Park-Museum Werke von Kamoliddin Behzod, seinen Schülern und Anhängern, bewundern. Darunter befinden sich alte handgeschriebene Bücher, verschiedene schriftliche Dokumente und Miniaturmalerei auf Leinwand, Leder, Papier und Schatullen. Das Museum beherbergt mehr als 500 wertvolle Exponate.

Dank an Shavkat Boltaev (†), der bekannteste Fotograf in Buxoro mit der größten fotografischen Sammlung buxorischer Juden, dass er mich mit Ustra Davron, einem der berühmtesten Miniaturmaler in Usbekistan, bekannt gemacht hat. Beide Künstler haben mir einen hervorragenden Einblick in die Kunst der Miniaturmalerei und den handwerklichen Techniken der Papierherstellung gegeben. 

Ustra Davron (li), Shavkat Boltaev (mi), Christian Grosse (re); Foto: Shakzoda Mirakova

Miniaturbilder Atelier Ustra Davron; Foto: Christian Grosse

Beitrag/ Fotos: Christian Grosse

Kontakt:
Dipl. Chem. Christian Grosse

President Open International Dialogue
Президент Открытого международного диалога
Tucholskystr. 33; 10117 Berlin

Telefon: +49 30 2888 3891, Mobil: +49 174-27 26 765

Mail: cekgro(at)gmx.de
 

Kontakt: 
Usta Davron miniatura
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Usbekische Migranten zur Unterstützung der deutschen Wirtschaft

Quelle: Podrobno.uz

Usbekistan erklärte sich bereit, Migranten nach Deutschland zu schicken. Bisher sind es Lkw-Fahrer, Pfleger und Betreuer.

Die Agentur für externe Arbeitsmigration und das deutsche Unternehmen HS Personalservice GmbH haben eine Vereinbarung über das Erlernen der deutschen Sprache für die Bürger Usbekistans mit anschließender Beschäftigung in deutschen Unternehmen geschlossen, berichtet ein Korrespondent von Podrobno.uz unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Dunyo, die dem Ministerium auswärtige Angelegenheiten unterstellt ist.

Wir sprechen von Fahrern von Lastkraftwagen und Personenbussen, medizinischem Personal in Pflegeheimen sowie Betreuern in Vergnügungsparks, Hotels und Restaurants. Usbeken können in Deutschland arbeiten, nachdem sie ein B1-Deutschzertifikat erhalten haben.

Der Delegationsleiter des deutschen Unternehmens hs Personal, Leander Hütte, wies darauf hin, dass in Taschkent nicht nur für Arbeitsmigranten aus Usbekistan, sondern für alle, die es wollen, ein Deutsch-Sprachtrainingszentrum von der Grundstufe A1 bis zum Berufsbildungsniveau C1 eröffnet wird die Sprache zu lernen und an deutschen Universitäten studieren.

Das Zentrum wird auch Prüfungen ablegen und gemäß den  EU-Standards eingeführte Telc-Zertifikate ausstellen. Damit ist das neue Zentrum laut Hütte neben dem Goethe-Institut eine der ersten Einrichtungen in Usbekistan, die die Möglichkeit bieten, einen von der Deutschen Botschaft in Taschkent anerkannten Deutschtest zu absolvieren.
„So können wir der usbekischen Seite einen umfassenden Service von der Ausbildung bis zur Beschäftigung bieten“, sagte er.

Quelle/Foto: Podrobno.uz

Kontakt: HS Personalservice GmbH
TELC-Zertifikate | Anerkennung
Goethe-Institut - GOETHE-ZERTIFIKAT B1
EURO-SCHULEN - Berufsbildungsniveau C1

Bundesministerium für Bildung und Forschung -
Das Informationsportal der Bundesregierung
zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

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Usbeken haben während dem islamischen Opferfest Eid al-Ahda 4 Tage frei

Taschkent Weisse Moschee; Foto: USBEKISTAN-GALERIE © Bodo Thöns
Das islamische Opferfest wird auch Id ul-Adha oder Eid ul-Adha genannt und ist zusammen mit dem Zuckerfest die bedeutendste Festlichkeit im islamischen Jahr.

Während der Feierlichkeiten zu Eid al-Adha Khayit haben die Usbeken mindestens drei Tage frei. Anfang Februar 2021 unterzeichnete der Präsident das Dekret über Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Inlands- und Pilgertourismus in Usbekistan. Dem Dokument zufolge werden die Usbeken an den Tagen der Hauptfeiertage mindestens drei Tage ruhen.

Beim islamischen Opferfest (Eid al-Adha) erinnern Muslime an in aller Welt an Abraham, der als gemeinsamer Stammvater von Muslimen, Juden und Christen gilt. Im Mittelpunkt steht dabei die Barmherzigkeit Gottes. Deshalb geht es auch um Werte wie Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Versöhnung.

In Übereinstimmung mit dem Präsidialdekret vom 30. April wurden Änderungen am Präsidialdekret vorgenommen, die in Usbekistan zusätzliche freie Tage im Jahr 2022 vorsahen.
Nach dem islamischen Kalender fällt Eid al-Adha auf den 9. Juli 2022.

Somit haben Usbeken freie Tage an:
•  9. Juli 2022 - Samstag (feiertagsfreier Tag);
• 10. Juli 2022 - Sonntag (Ruhetag laut Kalender);
• 11. Juli 2022 - Montag (zusätzlicher arbeitsfreier Tag);
• 12. Juli 2022 - Dienstag (zusätzlicher arbeitsfreier Tag/verschobener Feiertag).

Quelle: The Tashkent Times.uz/ Foto: USBEKISTAN-GALERIE ©Bodo Thöns


Empfohlene LINKS:
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Religion und Glaube
Das islamische Jahr: Zeiten und Feste
Islamische Feste: Zeiten des Gedenkens und Feierns

WIKIPEDIA - Islamisches Opferfest | Bayram | Kurban_Bayramı (Türkisch)
as-Saffat - 37. Sure des Korans | Bindung Isaac
Bayerischer Rundfunk BR: Das Opferfest – höchster Festtag des Islam
Deutschlandfunk - Abraham soll seinen Sohn opfern (Sure 37 Verse 99-113)
corpuscoranicum.de - Koran Sure 37
Bibelwissenschaft - Opfer
Augsburger Allgemeine - Islamische Feiertag 2022
Universität Zürich - Asien-Orient-Institut - Kalenderumrechnung


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Der internationale Flughafen Taschkent führt den Fast-Track-Service ein

Tashkent Fast-Track-Service; Foto: Uzbekistan Airport
Wie Uzbekistan Airports mitteilte, wurde am Taschkent International Airport in Usbekistan ein neuer Registrierungsservice Fast Track eingeführt. Der Service bietet den Passagieren Express-Registrierungs- und Passkontrolldienste.

FAST TRACK
Fast Track ist ein internationaler Service, der schnellste und reibungsloseste Weg durch die Sicherheitskontrolle des Flughafens. Dabei wird eine separate Abfertigungsreihe benutzt, die es erlaubt, die üblichen Warteschlangen zu umgehen. Reisende haben mehr Zeit zum Entspannen, für persönliche Aufgaben, für einen Besuch einer Lounge oder ein schnelleres Erreichen des Gates.
Im Einzelnen ermöglicht das neue verbesserte System Passagieren, den Check-in-/Registrierungsprozess, die Zollkontrolle, die Passkontrolle und die Sicherheitskontrolle vor dem Flug zu durchlaufen, ohne in der Warteschlange zu stehen. Dies ist ein großer Vorteil für diejenigen mit Kindern, Familien oder Einzelreisenden, die den Ärger des standardmäßigen Check-in- und Registrierungsprozesses am Flughafen vermeiden möchten.

Passagiere müssen den kostenpflichtigen Service erwerben, bevor sie das Fast-Track-System am Flughafen nutzen, indem sie sich an den Informationsschalter wenden. Nach der Zahlung begleitet der Flughafenmitarbeiter den Passagier durch den speziell zugewiesenen Korridor in die Sonderzone. Danach können Passagiere selbstständig in das Flugzeug einsteigen.

Für diejenigen, die mit der Familie fliegen, ist ein spezielles Paket „Familie“ verfügbar. Die Passagiere, die den Fast-Track-Service nutzen, haben die Möglichkeit, die spezielle Business-Lounge ANOR zu nutzen, die sich in der separaten Zone für Abflüge befindet.

Der Fast-Track-Service kostet nur 170.000 usbekische Soums (ca. 14,90 EUR, Stand 6/2022) pro Person. Die Zahlung kann in bar in der Landeswährung oder durch elektronische Zahlungsmethoden wie Uzcard, Humo, Visa, Mastercard und andere erfolgen.

Beitrag: Gerhard Birkl, Foto: Uzbekistan Airport

Uzbekistan Airways
Website: https://www.uzairways.com/en

Deutschland
Tel.: +49 69 133 76-167 / -168 / -170 / -171 / -172 
Adresse: Uzbekistan Airways, Hebelstr. 11, 
60318 Frankfurt/Main, Germany 
Gründungsjahr: 1992 IATA, Code: HY
Angeflogene Flughäfen: Taschkent, Istanbul Airport, Frankfurt-Main, Bangkok International Airport, Siem Reap, Delhi

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