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BAKHSHI-Festival 2019 – Abstecher zum Marionettentheater in Tashkent „Silk Route Marionettes“

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Auf dem Weg zum Bakhshi Festival in Termez hatte ich einen Tag Aufenthalt in Tashkent, den ich für einen Besuch beim dortigen Marionettentheater „Silk Route Marionettes" genutzt habe.

Das Theater hat eine ganz besondere Beziehung zu Wien. Wurde doch der Aufbau des Theaters professionell begleitet von Zinaida und Werner Hierzer vom Marionettentheater Schloss Schönbrunn in Wien. Über das Projekt, ein Theater in Tashkent aufzubauen, hat das Ehepaar  beim 100-jährigen Jubiläum des Salzburger Marionettentheaters in Jahr 2013 erfahren und das Angebot bekommen, daran mitzuwirken. Nach dem tragischen Tod des ursprünglichen Initiators hat sich Zinaida Hierzer, die selbst aus Usbekistan stammt zusammen mit ihrem Mann Werner Hierzer, der Direktor des Marionettentheaters Schloss Schönbrunn ist, federführend dafür engagiert, dem „Silk Route Marionettes Theater Studio" auf die Beine zu helfen.

Im Oktober 2013 begann der von Zinaida Hierzer, die Bauingenieurin ist, und Werner Hierzer kurierte Bau des Theaters im Gebäude einer großen Shopping Mall in der usbekischen Hauptstadt. Beide waren vor Ort um die jungen Puppenspieler anzulernen.
Zu Nawruz im April 2014 wurde das Theater ein halbes Jahr nach Baubeginn mit einer Präsentation der „Kleinen Nachtmusik" und den Anfängen des ersten eigenen Stückes „Aladin und seine Wunderlampe", das im Herbst Premiere hatte, eröffnet. Die Puppen dafür stammten noch zum Teil aus Wien. Heute kann das Theater in Tashkent stolz sagen, dass inkl. der Puppen alles im eigenen Studio hergestellt wird.

Momentan arbeiten 13 Mitarbeiter im Theater. Es ist bereits die zweite Künstlergeneration im Marionetten Theater in Tashkent.
Inzwischen hat das Silk Route Marionettes Theater Studio sieben Stücke inszeniert. Ende März feierte das jüngste Stück " Die Schöne und das Biest" seine sehr erfolgreiche Premiere.

Beitrag/Fotos: ©Daniela Lieberwirth (Vorsitzende von KultEurasia)

Kontakt: KultEurasia

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Einreise nach Usbekistan - ohne VISA!

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Grünes Licht für Tourismus in Usbekistan, erfolgreiche Umsetzung der VISA-Erleichterung! 

Mehrfach habe ich Usbekistan in den letzten 8 Jahren besucht, in diesem Jahr als Teilnehmer am 1. BAKHSHI​ International Art Festival. Das Festival fand vom 5.- 10. April 2019 in Termez statt.

Bei meiner Ankunft konnte ich persönlich die von Präsident Shavkat Mirziyoyev angestrebten Veränderungen und Reformen zur Öffnung des Landes spürbar erkennen. Bei der Einreise am internationalen Flughafen erlebte ich meine erste Überraschung. Der Flughafen, Terminal Karimov präsentierte sich als moderner Airport mit internationalen Standards, und nicht nur das. In einer breit angelegten Halle konnte ich die Großzügigkeit des neu erbauten Terminals sofort wahrnehmen. Breite Flure, gute sichtbare Beschilderungen, kurze Korridore führten in eine grosse Empfangshalle. Ich fühlte mich bei der großzügigen Architektur sofort willkommen!. 15 Doppelkabinen mit je zwei besetzten Kontrollen, d.h. an 30 Schaltern warteten Zollbeamte für Passkontrollen auf Gäste aus aller Welt zum BAKHSHI-Festival bzw. zur Einreise als Touristen oder als Geschäftsleute nach Usbekistan.

Für DEUTSCHE Staatsangehörige, die bis zu 30 Tage nach Usbekistan reisen, ist seit dem 15. Januar 2019 kein Einreisevisum mehr erforderlich. Für Bürger der folgenden Länder wurde ab dem 1. Februar 2019 ebenfalls eine visafreie Regelung eingeführt:
Australien, Österreich, Argentinien, Bosnien und Herzegowina, Vatikan, Luxemburg, Ungarn, Brunei Darussalam, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kanada, Andorra, Liechtenstein, Monaco, Belgien, Dänemark, Spanien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Lettland, Litauen, Mongolei, Neuseeland, Portugal, Bulgarien, Republik Zypern, Malta, Polen, San Marino, Serbien, Slowenien, Kroatien, Chile, Rumänien, Slowakei, Großbritannien, Brasilien, Finnland, Montenegro, Tschechische Republik, Schweiz und Estland.

Daher konnte ich auf meine bisherigen Erfahrungen bei der Einreise nach Usbekistan mit langen Warteschlangen und Ausfüllen von lästigen Deklarationen erleichtert verzichten. Es gibt jetzt wie international üblich, keine Kontrolle für zollfreie Waren. Zollpflichtige Waren müssen selbstverständlich weiterhin angemeldet werden.  >> INFOBLATT Zolleinfuhren

Auf die Prozedur für die Ausstellung eines VISUMS durch die ONLINE-Registratur, Zusendung/Rücksendung von Passdokumenten an Konsulat/ bzw. Botschaft sowie auf Kosten für ein VISUM kann man nun getrost verzichten, bei meiner Einreise genügte mein gültiger Pass. Auch die Begrüssung durch den usbekischen Beamten mit einem herzlichen „Huschka Lipsis", freundlicher Begrüßung an der Passkontrolle überraschte mich positiv.

Nach genauer Prüfung des Passes und der Frage/Antwort: „..wohin soll die Reise hingehen?", – zum BAKHSHI-Festival nach Termez – habe ich meinen Stempel für einen bis zu 30 tägigen Aufenthalt erhalten. Ohne lange Wartedauer, bereits nach wenigen Minuten, konnte ich die Passkontrolle verlassen. Die Einreisekontrolle ist ungewohnt schnell, einfach und unkompliziert geworden!.

In der dahinter liegenden Wartehalle für die Gepäckausgabe erwartete mich die nächste Überraschung. Hier befand sich ein übersichtlicher Bereich, mit deutlich gekennzeichneten Hinweisen auf die Gepäck-Ausgabebänder. Auch das Gepäck wurde schnell ausgeliefert und es gab keine lange Wartezeit.

Weit sichtbar war das neue Logo des USBEKISTAN-Tourismusverbands zu sehen. In der Mitte des Terminals befand sich eine Informationsstelle, die freundlich Auskunft über weitere Reiseziele erteilte. Auf Nachfrage wurde auch fotografieren erlaubt, eine bis dahin unbekannte Erfahrung. So konnte ich bereits Vorort Freunden in Deutschland meine Begeisterung über die Änderungen mitteilen und erste Bilder von den Neuerungen senden. Meine Freunde quittierten den Empfang ebenso mit einem Staunen, Begeisterung ... und erstem Kommentar, „...dass möchte ich selbst erleben, ich möchte auch bald wieder nach Usbekistan".

Nach einer letzten Sicherheitsüberprüfung meines Gepäcks am Ausgang des Terminals konnte ich den Flughafen verlassen. Hier wartete bereits das Servicepersonal auf meinen Empfang und einem reibungslosen Transport mit einem Bus zum Hotel Usbekistan. Alles war bestens für den Empfang der Gäste zum BAKHSHI-Festival organisiert!. Ich fühlte mich nicht als Gast geehrt, sondern unter Freunden willkommen!

Auf der Fahrt in die Hauptstadt Taschkent konnte ich eine neu installierte, bunt leuchtende Straßenbeleuchtung erkennen. Diese tauchte die Silhouette des nächtlichen Stadtbilds in eine bezaubernde Licht-Atmosphäre. Die bogenförmige Installation über die Strassenführung schimmerte in den Nationalfarben grün, weiss, blau, war mit roten Streifen geschmückt. Ich war zutiefst beeindruckt, fühlte zu jedem Augenblick, „Gäste sind herzlich in Usbekistan Willkommen" – ein erster Eindruck der für immer bleibt!

Mein Fazit:
Die vom Präsidenten Shavkat Mirziyoyev angestrebten Veränderungen, Zusagen zur Öffnung des Landes tragen seit dem Amtsantritt im Dezember 2016 spürbare Früchte. Alte überkommene Zöpfe wurden abgeschnitten, erforderliche Neuerungen praktisch umgesetzt. Usbekistan meint es mit seinen Reformen ernst. Die konsequente Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung und Erleichterung der Einreise tragen maßgeblich dazu bei dass mehr Touristen nach Usbekistan, in das Land im Herzen der Seidenstraßen kommen. Das Land ist auf eine weitere Steigerung des Tourismus gut vorbereitet. Usbekistan bietet seinen Gästen eine großartige Kultur, die usbekische Gastfreundschaft ist sprichwörtlich, etwas ganz besonderes – ist eine Einladung für Besucher aus der ganzen Welt.

Empfohlene LINKS:
USBEKISTAN-GALERIE
TERMEZ - BAKHSHI – 1. International Festival - Impressionen
USBEKISTAN – VISA-freie Einreise
INFOBLATT Zolleinfuhren
Tourismusentwicklung 
Tourismus – ein wichtiger Wirtschaftszweig in Usbekistan
Wahlen 2016 in Usbekistan | Dokumentation

Beitrag/Fotos: © Gerhard Birkl

Frankfurt - Taschkent -> 4.691 km, ca. 6 Std. Flugzeit; Foto: G. Birkl

Willkommen in Usbekistan - das neue Logo für TOURISMUS; Foto: G. Birkl

Passport mit neuem VISA-Stempel EINREISE/AUSREISE, Registratur; Foto: G. Birkl

Neues Terminal, Gepäckausgabe; Foto: G. Birkl

Wichtige Hinweise zur Einreise, Zollbestimmungen; Foto: G. Birkl

Wartehalle, International Terminal; Foto: G. Birkl

NEU! Tourist Service Center; Foto: G. Birkl

Unübersehbar - Hinweis auf das 1. BAKHSHI Internationale Art Festival; Foto: G. Birkl

Das neue Terminal, International Airport Taschkent; Foto: G. Birkl

„Fullservice“ - Empfang für die Teilnehmer des BAKHSHI-Festivals; Foto: G. Birkl

Das berühmte Hotel UZBEKISTAN; Foto: G. Birkl

Neu gestaltete Empfangshalle - Hotel Usbekistan; Foto: G. Birkl

Einladung zum 1. BAKHSHI International Art Festival, Termez 2019; Foto: G. Birkl

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Geschichtliche Entwicklung und heutige Bedeutung der Mahalla in der usbekischen Gesellschaft

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Die Einrichtung einer Mahalla geht auf eine jahrhunderte Jahre lange Erfahrung und Entwicklung zurück, war im Osmanischen Reich die kleinste Verwaltungseinheit. Es handelt sich um eine offizielle Verwaltungseinheit. In den islamischen Ländern Nordafrikas, des Vorderen Orients, Zentralasiens und Südasiens ist eine Mahalla ein eine institutionalisierte Selbstverwaltung in einem Dorf, einer Stadt, eine lokale Bezirksverwaltung.

In der Regel spielt die Mahalla eine wichtige Rolle mit der örtlichen Moschee, als die wichtigsten sozialen Einrichtungen. Die Mahallas verfügen meistens über einen zentralen Platz, Mahallaverwaltung mit einem eigenen Gebäude. Verwaltung, Mahallaräume, Platz für gesellschaftliche Treffen und gemeinschaftliche Veranstaltungen.

Finanziert werden Mahallas von einem Hokimijat (Stadtverwaltung). Die Mahalla entscheidet selbst über die Durchführung von erforderlichen Maßnahmen z.B. Straßenbau, örtliche Gestaltung, Gartenanlagen, Neubau von Gebäuden etc..

Ähnlich einer Gemeindeverwaltung in europäischen Staaten ist die Mahalla in Usbekistan ein eigenständiger Verwaltungsbereich, der traditionell seit Generationen für gesellschaftliche und soziale Belange der Bevölkerung zuständig ist. In der usbekischen Verfassung ist die Aufgabe und Funktion der Mahalla verbrieft.

• Artikel 12. …in der Republik Usbekistan entwickelt sich das gesellschaftliche Leben auf Grundlage der Vielfalt der politischen Institute, Ideologien und Meinungen.
• Artikel 15. … der Staat, seine Organe, Amtspersonen, gesellschaftlichen Vereinigungen und Bürger handeln in Übereinstimmung mit der Verfassung und den Gesetzen.
• Artikel 105. … die Selbstverwaltungsorgane in den Siedlungen, Kischlaks und Aulen und in den Machalljas der Städte, Siedlungen, Kischlaks und Aule werden durch die Bürgerversammlung gebildet, die für eine Frist von 2,5 Jahren einen Vorsitzenden (Aksakal) und seine Ratgeber wählt.
Das Wahlverfahren, die Tätigkeitsordnung und der Umfang der Befugnisse der Selbstverwaltungsorgane werden durch das Gesetz festgelegt.

Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht
„...seit 1993 bemühen sich Behörden, in allen Dörfern und städtischen Nachbarschaftsgemeinden Usbekistans Mahallah-Büros zu eröffnen. Diese Büros werden von einem staatlich besoldeten Vorsitzenden (Rais) und einem Sekretär (Kotib) geleitet, die von der Bürgerversammlung für jeweils zweieinhalb Jahre gewählt werden und für die Verteilung staatlicher Sozialleistungen unter den armen und bedürftigen Bewohnern zuständig sind. Außerdem sollen sie sich auch um das lokale Gemeinschaftsleben, wie etwa Hochzeiten, Schulen, Straßen, Streitschlichtung, der Mahallah kümmern. Die Büros übernehmen damit Aufgaben, die früher von den Aksakalen und den Ältestenräten wahrgenommen worden waren. Die "Mahallisierung" Usbekistans kann als Versuch begriffen werden, die Kluft zwischen Staat und Gesellschaft (Lokalgemeinschaften) zu schließen oder zumindest zu verringern und in der Rechtskultur und im Rechtsbewusstsein des Volkes verankerte traditionelle Rechtsregime und Institutionen wie beispielsweise die Autorität der Aksakale in die geltende Rechtsordnung zu integrieren.„
https://www.zaoerv.de/

Der Vorstand einer Mahalla
Das Amt des Vorsitzenden (turksprachlich Muhtarlık) wurde entwickelt, um in Dorfgemeinden oder in einer Mahalla einige staatliche Aufgaben zu übernehmen. Der Leiter wird in Usbekistan alle zweieinhalb Jahre gewählt. Er übernimmt in seinem Amtsbereich Aufgaben der öffentlichen Verwaltung. Ihm zur Seite steht ein Ältestenrat, aus gewählten Mitgliedern sowie - in den Dorfgemeinden - der Dorfschullehrer und der örtliche Imam als „natürliche Mitglieder" angehören. Beim Vorsitzenden, Stellvertreter sowie beim Ältestenrat handelt es sich ehrenwerte, geachtete Persönlichkeiten einer Mahalla, meistens um ältere, lebenserfahrene Personen.

Der Vorsitzende einer Mahalla hat eine Vorbildfunktion. An ihn werden kommunikative Fähigkeiten vorausgesetzt, einwandfreien Charakter, ein selbstsicheres Auftreten, er verfügt über eine solide höhere Bildung und Berufsqualifikation, hat Lebenserfahrung, ist meistens über 50 Jahre alt, häufig im Pensionsalter. Von ihm sind juristische Erfahrungen erwünscht, er nimmt regelmässig an Fortbildungen, Seminaren Teil. Die Mitglieder einer Mahalla bestimmen den Leiter aus ihren Reihen und wählen diesen für 2 1/2 Jahren zum Vorsitzenden.

Der älteste Einwohner in einer Mahalla geniest in der Bevölkerung ein besonderes hohes Ansehen, Anerkennung und Wertschätzung. Nach der offiziellen Wahl des Vorsitzenden ist eine Bestätigung, Zustimmung durch den Ältesten erforderlich. Erst danach kann der Leiter einer Mahalla aktiv werden.

In den Bevölkerung ist der Leiter einer Mahalla eine viel geachtete Persönlichkeit, die sich um alle sozialen Angelegenheiten kümmert, ist Ansprechpartner für Recht- und Ordnung.
Er ist Angestellter der Stadt bzw. eines Bezirks. Es gibt separate Büroräume für Vorsitzende, Sekretär und Berater von Mahalla, Präventionsinspektoren. Häufig ist den Bewohnern einer Mahalla neben der offiziellen Adresse auch für dringende Angelegenheiten die Privatadresse, Kontakte zu den Personen der Mahallaverwaltung bekannt.

Aufgaben der Mahalla und Grösse
Die Mahalla regelt alle lokalen Angelegenheiten, es wird häufig als Nachbarschaftshilfe - Hashar - praktiziert. Es werden soziale- und wirtschaftliche Probleme behandelt, Straßenbau, Renovierungen, Neubau von Mahallaplätzen, Freizeiteinrichtungen besprochen und Anfragen/ Anträge an die Stadtverwaltung gestellt. Beispielsweise werden Mittels Hashar Stadtviertelmoscheen renoviert oder Straßen instand gesetzt, Schulen, Sportplätze, Erholungsplätze, Gemeinschaftsräume eingerichtet. Zum Verwaltungsbereich gehören auch zuständige Ärzte, Geschäfte, der örtliche Basar, vorschulische Einrichtungen.

Zu den sozialen Aufgaben einer Mahalla gehört neben der Unterstützung von Arbeitssuchenden auch Hilfestellung bei der Vermittlung von heiratswilligen Personen.

Im Verzeichnis der Mahalla wird ein selbständiges Familien- und Personenregister geführt, es werden Geburt- und Todesfälle, Haus-Eigentum, Bewohner (auch Hochhäusern, Wohnblocks), Familienbeziehungen verzeichnet. Insbesondere bei Wahlen hat sich dieses System sehr bewährt. Entgegen einer zentralen staatlichen Erfassung in einem Melderegister ist der Datenbestand stets aktuell. Dies ist für die Wahlberechtigung, korrekte Wahldurchführung von grosser Bedeutung.

In jeder Strasse gibt es einen Ältestenrat, dieser erfüllt neben sozialen Aufgaben eine weitere wichtige Funktion. Im Auftrag des Vorsitzenden werden Familien besucht um zum Beispiel über wichtige Gesetzesänderungen zu informieren. Diese Funktion garantiert eine Sicherstellung der Weitergabe von staatlichen Information und Gesetzen.

In jeder Mahalla (Gemeinde/Bezirk) werden regelmässige Treffen für Frauen organisiert. Hier werden familiäre und soziale Themen besprochen. Unter den Frauen gibt es eine Leitung, die als zentrale Ansprechpartnerin für alle Probleme zur Verfügung steht. Zur Klärung von Problemen werden gemeinsamen mit dem Vorsitzenden Lösungen gesucht und Hilfestellungen angeboten. Bei tiefergehende Problemen, z.b. bei Konflikten mit Gesetzen, wird ein Richter hinzugezogen.

Arme und bedürftige Familien können durch die Mahalla unterstützt werden. Es werden Veranstaltungen organisiert, PLOV (Nationalgericht) als gemeinschaftliches Essen angeboten, Tische festlich geschmückt, Musik und Tanz, Unterhaltung angeboten. Alle sind zu diesen Treffen eingeladen, auch Gäste sind immer herzlich willkommen. In einer Mahalla ist immer etwas los - ein lebendiger Ort.

Seit Juli 2018 gibt es eine wichtige Änderung. Pensionisten erhalten nicht mehr über die Post, sondern über die Mahalla ihre Rente von einem Bankangestellten monatlich ausbezahlt. Kranke und körperlich eingeschränkte Personen die zur Abholung verhindert sind, werden persönlich besucht, die Pension VorOrt überreicht. Durch diese Maßnahme wird sichergestellt, dass die jeweilige Person rechtzeitig ihre zustehende Pension erhält und ein sozialer Kontakt aufrechterhalten bleibt. Fragen und Probleme können vor Ort geklärt werden, Maßnahmen besprochen und eingeleitet werden. Dies ist eine besondere Form der Nachbarschaftshilfe, niemand bleibt unbeachtet, ist ein wertvolles gesellschaftliches Mitglied.

Die Größe einer Mahalla kann sehr unterschiedlich sein. Im dörflichen Bereichen sind es mehrere Wohnhäuser, in Städten können es Straßenzüge, viele Wohnungen sein. Derzeit gibt es in Taschkent 11 Stadtbezirke, jeder Bezirk hat mehrere Mahallas. In der Taschkenter Mahalla „Tabassum" leben z.B. mehr als 5.300 Vertreter verschiedener Nationalitäten in 27 Mehrfamilienhäusern.

Gesellschaftliche Bedeutung der Mahalla
Die Mahalla ist neben der Selbstverwaltung auch ein Ort zur Pflege für Kultur und Brauchtum, hier werden Feste wie Hochzeiten, Geburt, Beschneidung, Geburtstage, Jubiläen, Todesfälle, Nawruz (Frühlingsfest), städtische Feiertage, Kurban Hait und Ramadan gefeiert.
Alle Einrichtungen auf dem Territorium der Mahalla dienen für den Zusammenhalt der Bevölkerung, für ein harmonievolles und friedliches Zusammenleben, es geht um Güte und Barmherzigkeit, um die Gemeinschaft weiter zu stärken. Hier kann soziales und gesellschaftliches Verhalten geübt und gelebt, humane Werte und Tugenden entwickelt, gepflegt werden.

In der Mahalla können Jugendliche ihre Freizeit organisieren, soziale Beziehungen entwickeln, sich körperlich, geistig und seelisch für das Leben stärken. Die Gemeinschaft bietet einen Halt, Orientierungshilfe.

Aufgabe der Mahalla-Leitung und gesellschaftliche Stellung
Aufgabe des Leiters einer Mahalla ist es, auf die Sorgen der Menschen in der Mahalla zu achten, ihre Probleme zu lösen, damit die Bürger mit ihrem Leben, der Art und Weise ihres Lebens zufrieden sein können.

Der Vorstand gibt Unterstützung bei familiären oder Nachbarschaftsproblemen, steht bei auch bei Not, Armut unterstützend zur Verfügung. Es werden enge und vertrauensvolle Kontakte zu den Familien, zur Nachbarschaft gepflegt. Dazu gehören z.B. auch Krankenbesuche oder Gratulationen bei Jubiläen, Geburtstagen, Unterstützung bei persönlichen Schwierigkeiten – es wird eine besondere Form der Pflege von sozialen Beziehungen und Nachbarschaftshilfe praktiziert.

Auch bei Problemen mit Strom-Wasserversorgung ist die Mahalla Ansprechpartner, praktisch Alles, was die Menschen direkt oder indirekt betrifft.

Der Vorstand und die Mitglieder der Mahalla-Verwaltung geniessen hohes Ansehen in der Gesellschaft. Es ist daher nicht verwunderlich, selbstverständlich, dass zu allen öffentlichen und privaten Feierlichkeiten aus diesem Kreis Personen ehrenvoll eingeladen werden.

Bedeutung der Mahalla in der heutigen usbekischen Gesellschaft
Die Mahalla spielt in der usbekischen Gesellschaft eine bedeutende Rolle, ist eine wichtige Grundlage für ein funktionierendes Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft mit mehr als 100 unterschiedlichen Nationalitäten und unterschiedlichen Religionen. Hier wird in einem vertrauensvollem Umfeld Gemeinschaftlich Verantwortung übernommen und Konflikte, sowie soziale-, wirtschaftliche- und persönliche Probleme gelöst. Eine funktionierende Zivilgesellschaft besteht im Kern aus einer Familie sowie einem gut funktionierendem, nachbarschaftlichen Zusammenleben. Die Mahalla kann als eine besondere Form der ursprünglichen Großfamilie und Sippe bezeichnet werden.

Seit dem neuen Präsidenten hat die Bedeutung der Mahallas zugenommen. Sie ist eine wichtige Instanz bei der Umsetzung von politischen, sozialen- und wirtschaftlichen Ziele geworden. Es wurde auch verstärkt ein Augenmerk auf die korrekte und zeitnahe Umsetzung von Maßnahmen wert gelegt. Bei der Bevölkerung wird dies als willkommene Verbesserung der neuen Regierung anerkennend geschätzt. Die vom Präsidenten initiierten Reformen tragen somit nicht nur in der Aussenpolitik, sondern bis zur Basis der Bevölkerung fruchtbare Veränderungen.

Das Staatsoberhaupt der Republik Usbekistan Shavkat Mirziyoyev macht sich regelmässig mit dem Leben in einer Mahalla vertraut und spricht mit den Bewohnern. Während der Treffen werden Meinungen über die Reformen der sozialwirtschaftlichen Entwicklung der Region, durchgeführte Arbeiten besprochen.

„Mahalla soll in der Wirklichkeit ein Herd der Kultur und Spiritualität werden, daher ist es notwendig, bei der Bevölkerung, vor allem bei jungen Menschen das Interesse zum Buchlesen zu steigern, lehrt die Heimat zu lieben…", sagte der Präsident Usbekistans bei einem Besuch in einer Mahalla.

Zusammenfassung:
Insbesondere in Zeiten mit Aufkommen von nationalistischen und extremistischen Strömungen ist die Mahalla ein gutes praktisches Beispiel dafür, wie friedliches und harmonisches Zusammenleben in kleineren und größeren Gemeinschaften funktionieren kann. Die Selbstverwaltung einer Mahalla gewährleistet unbürokratische Hilfe, dort wo sie VorOrt erforderlich und notwendig ist, entlastet den Staat, erfüllt eine bürgernahe Brücke zur Staatsgewalt.

Mahalla ist eine lebendige Zelle für die Umsetzung von sozialen und demokratischen Wertvorstellungen, eine solide Basis für eine funktionierende harmonische Gesellschaft, unabhängig von ethischen und religiösen Vorstellungen.

Beitrag/ Foto: Gerhard Birkl
Titelbild: Mahalla - Ältestenrat, Taschkent

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53. Usbekistan Hilfseinsatz - Friedensdorf International

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Seit 17 Jahren hilft Friedensdorf International in Usbekistan

Vergangenen Sonntag kehrten die Friedensdorf-Mitarbeiter Kevin Dahlbruch und Rebecca Wenzel von ihrer Projektreise aus Usbekistan zurück. In den sieben Tagen besuchten sie verschiedene Hilfsprojekte der Kooperation zwischen Friedensdorf International und der Partnerorganisation „Soglom Avlod Uchun – Stiftung für eine gesunde Generation" und wählten Kinder für die kommenden Charterflüge aus.

Für drei genesene Jungen im Alter von 12, 11 und 2 Jahren war es darüber hinaus die lang ersehnte Heimreise. Sie konnten vier Monate vor dem nächsten Hilfseinsatz für Zentralasien und Afghanistan gesund zu ihren Familien zurückkehren. „Da die drei Jungs bereits gesund genug sind, um den Weg nach Hause anzutreten, möchten wir ihnen ihre Familie, ihre gewohnte Umgebung und ihre Kultur nicht länger vorenthalten als notwendig. Die Freude der drei Kinder darüber, dass es für sie früher nach Hause geht, war für uns der schönste Moment", berichtet Friedensdorf-Mitarbeiterin Rebecca Wenzel.

Rund 200 kranke oder verletzte Kinder wurden den Friedensdorf-Mitarbeitern in verschiedenen Städten in Usbekistan vorgestellt. „Erfreulicherweise konnten wir vielen Kindern, die wir gesehen haben, eine Absage erteilen. Denn durch die erfolgreiche Projektarbeit müssen mittlerweile viele Kinder ihre Heimat nicht mehr verlassen, sondern haben die Möglichkeit vor Ort behandelt zu werden. Es ist ein schönes Gefühl, dass die Projektarbeit ihren Sinn voll und ganz erfüllt und dazu beiträgt, das Gesundheitssystem in Usbekistan zu stärken", erzählte der stellvertretende Friedensdorf-Leiter Kevin Dahlbruch nach seiner Rückkehr. Unter anderem besuchte das Friedensdorf-Team gemeinsam mit Dr. Jumaboy Nurov, dem Vertreter der usbekischen Partnerorganisation, eine Klinik, in der beispielsweise Herzoperationen durch das Friedensdorf finanziert werden. Auch die erfolgreiche Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten stellte ihnen ein Arzt in der Stadt Qarshi vor. Bei ihrem Besuch in einer Klinik begegnete das Friedensdorf-Team zudem Angehörigen von Kindern, denen durch die Projektarbeit zu einer gesunden Zukunft verholfen wurde. „Die Familien der Kinder haben uns trotz Sprachbarriere ihre unendliche Dankbarkeit spüren lassen. Das war auch für uns sehr emotional und überwältigend", waren sich Kevin Dahlbruch und Rebecca Wenzel einig.

Eine weitere schöne Begegnung durfte das Friedensdorf-Team in der Stadt Samarkand erleben. Dort gab es ein Wiedersehen der besonderen Art mit einem ehemaligen Friedensdorf-Kind. In Samarkand trafen sie Inoyatulla, der vor 13 Jahren mit Friedensdorf International zur medizinischen Behandlung nach Deutschland kam. „Nach einem Autounfall hätte ich fast mein linkes Bein verloren. Nachdem ich in Deutschland geheilt wurde, wusste ich genau was ich werden wollte", so Inoyatulla. Mittlerweile ist er ein junger, gestandener Mann, der heute Assistenzarzt in Usbekistan ist und als Mediziner jetzt in seinem Heimatland hilft. „Bei dem Treffen drückte Inoyatulla seine unendliche Dankbarkeit an das Friedensdorf aus. Er erzählte uns, dass er seine Zeit im Oberhausener Friedensdorf für immer im Herzen hat und sich gut daran erinnern kann, wie sich alle Kinder vor dem Essen an die Hände fassen und Frieden rufen – ein Ritual, das auch heute noch täglich im Dorf durchgeführt wird", so das Friedensdorf-Einsatzteam.

Hintergrund:

Seit 2002 werden im Zuge der Afghanistan-Kombinationseinsätze auch usbekische Kinder nach Deutschland mitgenommen und erhalten eine Chance auf Heilung ihrer Krankheiten und Verletzungen. 2003 begann die Projektarbeit des Friedensdorfes in Usbekistan. Seitdem konnte Friedensdorf International rund 5.600 usbekischen Kindern die Reise nach Deutschland ersparen und sie im Rahmen der Projektarbeit in ihrer Heimat behandeln. Das jüngste Projekt wurde 2015 ins Leben gerufen und widmet sich kleinen Patienten, die dringend notwendige Herz-Operationen erhalten. 

Beitrag/ Foto: Eva Kammhuber
Titelbild: Treffen mit Partner und Ehemaligen in Samarkand

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WIKIPEDIA: Friedensdorf International

YOUTUBE: Frieden im Dorf - Das Friedensdorf International 

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Bakhshi International Art Festival – 5. - 10. April Termez/ Usbekistan

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Zum ersten Mal findet in Termez im Süden Usbekistans das 1. Internationale Art Bakhshi-Festival statt. Bakhshi - ist die Personifikation der Volkskunst, die sich seit Jahrhunderten von Generation zu Generation zu musikalischen und folkloristischen Traditionen entwickelt hat.

Die ursprüngliche Geschichte und Kultur einer Nation äußert sich vor allem in ihrer mündlichen Arbeit - Folklore, Volksepos. Dies ist eine unschätzbare Quelle für die Erhaltung und Entwicklung nationaler Werte und Traditionen.

Das Festival dient dazu, um die Öffentlichkeit mit den einzigartigen Mustern der usbekischen nationalen Kunst der bakhshi-Erzähler vertraut zu machen, den Respekt und das Interesse der Jugend an dieser Art von Kunst zu erhöhen, die Freundschaft der brüderlichen Völker zu stärken, die Kreise der kreativen Bindungen und die kulturelle Zusammenarbeit international auszubauen.

Das Festival findet vom 5. - 10 April in Termez, in der Provinz Surkhandarya statt. Das 1. Internationale BAKHSHI Art Festival ist eine Initiative des Usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev und soll alle zwei Jahre stattfinden.

Das Festival wird eine wissenschaftliche praktische Konferenz über die Entwicklung der bakhshi-Kunst und des Geschichtenerzählens über "Die Rolle der bakhshi-Kunst in der Weltzivilisation", Konzerte ausländischer und usbekischer bakhshi-Kunstmeister sowie einen kreativen Wettbewerb umfassen. Auf diesem einzigartigen Festival der Volkskunst wird eine Präsentation von Forschungsarbeiten, Bildungsliteratur in Usbekisch, Russisch und Englisch zur Förderung der Bakhshi-Kunst stattfinden. Es wird erwartet, dass Gäste aus vielen Ländern zusammen mit Vertretern renommierter internationaler Organisationen wie der UNESCO und der ISESCO an dem Festival teilnehmen werden.

Der Auswahlausschuss überprüfte die Aktivitäten von rund 300 Teilnehmern aus mehr als 80 Ländern. Nach den Schlussfolgerungen der Kommission wird erwartet, dass 57 Künstler aus 20 Ländern, Wissenschaftler, Folkloristen, Experten aus 12 Ländern, 43 Gäste aus 41 Ländern und ausländische Medienarbeiter aus 20 Ländern an dem Festival teilnehmen werden. Der Kreativwettbewerb wird von einer renommierten Jury bewertet.

Am 5. April findet die große Eröffnungszeremonie des Bakhshi International Art Festival und ein besonderes Konzert für die Teilnehmer und Gäste des Festivals auf dem Art Palace Square statt.

Am 6. April plant die Termez Bakhshi School die Eröffnung einer wissenschaftlich-theoretischen Konferenz zum Thema "Die Rolle der Bakhshi-Kunst in der Weltkultur".

Die Abschlusszeremonie des Festivals mit der offiziellen Preisverleihung findet am 10. April auf dem Art Palace Square statt.

Es ist besonders interessant, dass das Alter der Teilnehmer sehr unterschiedlich ist. Der älteste Teilnehmer bakhshi Hotam ota Khakimov aus Tadschikistan ist 90 Jahre alt, der jüngste bakhshi Kamarul Baihaqi bin Kamarul Baisahu aus Malaysia, ist 9 Jahre alt.

Beitrag: Gerhard Birkl; Fotos/Abbildungen: Organisation Bakhshi Art Festival

Plakat 1. International Art Festival Termez 2019; Bild: BAKHSHI-Festival-Organisation 

​Immaterielles Weltkulturerbe - BAKHSHI; Foto: BAKHSHI-Festival-Organisation

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Nowruz 2019 in Berlin mit usbekischer Beteiligung

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Am 23. März 2019 feierten gleich 10 Länder das traditionelle Fest Nowruz in Berlin-Moabit. Gefeiert haben die Länder Tadschikistan, Iran, Afghanistan, Kasachstan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Kirgisien, Türkei, Pakistan und natürlich Usbekistan.

Die Botschaften dieser Länder hatten Informationsstände in den Bolle-Festsälen aufgebaut und informierten die Besucher über landestypische Eigenarten des Nowruz. Musiker und Folkloregruppen sowie Tanzgruppen traten in den Festsälen in Berlin-Moabit ebenfalls auf. Aus Usbekistan wirkte die Folkloregruppe „Sanam" mit. „Sanam" erfreute die Besucher mit usbekischer Volksmusik und mit Tänzen. Zahlreiche Gäste hatten zum ersten Mal Berührung mit dem Frühlingsfest. Alle Länder boten in den Festsälen auch Informationen über ihre Länder an. Landestypische Speisen und Getränke fanden großen Anklang.

(Text/Foto: Volkert Neef)
 

​Turkmenischer Botschafter Herr Toyly Atayev, Foto: V. Neef

Frau Honorarkonsulin Dorothea Haller-Laible (li.), Honorarkonsulin Kasachstans in Stuttgart und Frau Jutta Höflich, Mitarbeiterin des Honorarkonsulats Tadschikistans in Hamburg; Foto: V. Neef

Ausstellung IRAN; Foto: V. Neef

Ausstellung AFGHANISTAN; Foto: V. Neef

Ausstellung USBEKISTAN: Frau Hulkar; Foto: V. Neef

 Folkloregruppe Kasachstan; Foto: V. Neef

Folkloregruppe Iran - Shapol; Foto: V. Neef

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Das alljährliche NAWRUZ-Fest – ein Fest der Freude und des Friedens!

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Das Frühlingsfest NAWRUZ wird in vielen Ländern in Zentralasien im Frühling gefeiert. Nach dem Sonnenkalender beginnt das „Neue Jahr" mit der Tagundnachtgleiche im Frühling, am 21. März. Das Ereignis der Tag/Nachtgleiche wird mit festlichen Veranstaltungen öffentlich und im privaten Bereich, vorwiegend in Zentralasien ausführlich und fröhlich gefeiert. In vielen Ländern ist NAWRUZ ein offizieller Feiertag.

Auch in diesem Jahr feiert man nicht nur in Usbekistan, Festlichkeiten haben sich inzwischen auch in Deutschland etabliert. Man feiert „NAWRUZ" in Großstädten wie Berlin, Dresden, Frankfurt und u.a. auch in München, mit einem bunten kulturellen Festprogramm.

Das Fest kommt ursprünglich aus dem Persischen und wird als „neuer Tag" übersetzt. Das NAWRUZ/Frühlingsfest wurde vor 3.000 Jahren im antiken Iran geboren, entstammt der zoroastrischen Kultur. Später breitete sich das Fest in ganz Zentralasien aus und wird heute von mehr als 300 Millionen Menschen, 30 Nationen und Völkerschaften friedlich und fröhlich gemeinsam gefeiert. Das Frühlingsfest zählt zum UNESCO Weltkulturerbe.

Am 30. September 2009 hatte die UNESCO den Nawruz-Tag in die Liste des Menschheitskulturerbes bzw. als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Seit dem 10. Mai 2010 ist Nawruz auf Beschluss der 64. Generalversammlung der Vereinten Nationen als internationaler Nawruz-Tag anerkannt.
Die UN-Generalversammlung stellte in ihrer Erklärung fest, dass „Nawruz ein Frühlingsfest ist, das von mehr als 300 Mio. Menschen seit mehr als 3.000 Jahren auf der Balkanhalbinsel, in der Schwarzmeerregionen, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten gefeiert wird". Es ist das einzige Fest, das von allen Volksgruppen gefeiert wird.

„NAWRUZ – Jeder Tag deines Lebens sei Nawruz“

Alischer Navoij

Hinter diesem Ausspruch von Alischer Navoij, des weltweit verehrten Dichters, Gründer der Usbekischen Literatur verbirgt sich eine besondere „Lebens-Philosophie", insbesondere zum Nawruz-Fest. Es ist ein Wunsch für alle Erdenbürger – für eine segensreiche Zeit, Glück, Gesundheit, Freude, Liebe, Frieden im inneren und äusseren Sinne…

Alischer Navoij war ein tiefgründiger Poet, Gelehrter und Staatsmann. Was ihn u.a. auszeichnete sind seine bedeutungsvollen Texte, Verständnis für das Leben, seine unvergänglichen Werke die in die Weltliteratur eingegangen sind. Neben seinem bekanntesten Werk «Chamsa» hat Alischer Navoij einige Sinnsprüche hinterlassen, die auch heute noch für den modernen Menschen eine tiefgründige Bedeutung haben, moralische und ethische Werte darstellen – denken und handeln der „Usbeken" bis zum heutigen Tag widerspiegeln.

Von 1441-1501 lebte der in Zentralasien wirkende herausragende Dichter, Denker und Staatsmann Nizamiddin Mir Alishēr Nawā'ī. Sein Name steht in einer Reihe mit den Namen solcher großen Vertreter der Weltliteratur wie Homer und Dante, Shakespeare und Goethe, Ferdowsi und Nizami.

Empfohlene LINKS:
Feierlichkeiten in Berlin anlässlich 575. Geburtstag des großen usbekischen Dichters 
Alishēr Nawā'ī
Internationale Konferenz zum 575. Geburtstag des großen usbekischen Dichters Alishēr Nawā'ī in Berlin

Brauchtum und Sitte zum NAWRUZ-Fest
Zur Vorbereitung auf Nawruz werden Häuser und Höfe, Strassen vor den Häusern, in allen Mahallas (usbekische Verwaltungsbezirke) in Ordnung gebracht, überall herrscht Sauberkeit und Ordnung.
Es ist auch von früheren Zeiten her zu einer guten Tradition geworden, den Festtisch mit üppigen Spezialitäten zu bedecken sowie Bekannten und Verwandten Geschenke zu überreichen.

Es ist Brauch, vor dem Fest alle Schulden zu begleichen, damit man nicht mit Schulden das neue Jahre beginnt. In diesen Tagen werden alle Ärgerlichkeiten vergessen. An den Feiertagen werden Streitigkeiten eingestellt, es sind keine Vorwürfe zu hören. In früheren Zeiten wurden sogar Kriege und Fehden eingestellt.
Junge Frauen und Bräute nähen an Nawruz Trachten und Taschentücher, die mit speziellen Ornamenten verziert werden.

Die wichtigste Speise an NAWRUZ: SUMALAK (…auch als Samanak, Samanu bekannt)
Traditionell wird dieses Gericht in Usbekistan zum Frühlingsbeginn (Nawruz) aus Getreidesorten zubereitet. Nach der langen Winterzeit braucht der Körper wieder neue Kräfte, der durch, bei der Zubereitung entstandenen „Malz-Zucker", willkommen aufnimmt und gestärkt wird. Sumalak ist auch als Kur- oder Heilgericht bekannt, gleicht einen Mangel an Vitaminen nach den dunkeln Tagen der Winterzeit aus. Es wird von blutdrucksenkenden Wirkungen, Gesundheit für Darm- und Magen, Blutreinigung, Normalisierung des Nervensystems berichtet. Muslimische Geistliche bezeichnen SUMALAK als eine göttliche, heiligen Speise für die Gesundheit, die seit 3.000 Jahren bekannt ist.

Etwa zwei Wochen vor dem eigentlichen NAWRUZ-Fest, werden sieben Sorten Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Hafer, Hirse und Grünkern) in Schalen zum Keimen angesetzt. Das Getreide, welches am besten wuchs, wird dann von den Bauern ausgesät. Das beste Getreide wird unter einer speziellen Prozeudure zu einem Brei – ohne weitere Zutaten – eingekocht.

Uzbek sumalak Yalla Toronto 2015 - Youtube Video
НАМАНГАНДА РЕКОРД: 5 ТОННА СУМАЛАК ТАЙЁР - Youtube Video
Sumalak in cafe Rokhat - Uzbek TV New York,Inc - Youtube Video

Empfohlene LINKS:
Wikipedia Samanak | Samanu

Zubereitung von SUMALAK
Für einen optimalen Genuss muss die Speise Sumalak ca. 24 Std. lang unter laufendem Umdrehen zubereitet werden. Die Hitze darf dabei nicht zu wenig bzw. auch nicht zu viel sein, ansonsten brennt alles schnell an. Durch langsame und beachte Zubereitung wird aus Wasser und Getreidekeimlingen eine dunkelbraune, zähflüssige Masse, die süßlich nach Malz schmeckt.
Bei der Zubereitung von Sumalak wechseln sich mehrere Frauen beim Kochen regelmäßig ab. Auch Männer dürfen bei der Zubereitung anwesend sein, feiern kräftig mit. Für alle Beteiligten ein willkommener Anlass für Geselligkeit, Fröhlichkeit, Lachen, Singen, eine Vorfreude auch die Tag/Nachtgleiche - auf NAWRUZ.

Rezept: Sumalak-Süßspeise aus Usbekistan zum Frühlingsanfang (Nawruz)

NAWRUZ und seine heutige Bedeutung
Heutzutage trägt das gemeinsame feiern von NAWRUZ bei den Völker dazu bei, die kulturellen Beziehungen zu festigen und den kulturellen Tourismus zu fördern, sind ein wertvoller Beitrag für mehr Toleranz, gegenseitiger Wertschätzung, Ausdruck und Beitrag für eine Friedenspolitik, schaffen neue Verbindungen – über alle Grenzen hinweg.

Die NAWRUZ-Veranstaltungen sind ein wichtiger Beitrag für die kulturelle Präsentation und Selbstdarstellung der zentralasiatischen Staaten. Das NAWRUZ-Fest verbindet alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft/ Gesellschaftskreis, Konfession …gerade in der jetzigen Zeit ein wichtiges Zeugnis für eine friedliche und freundschaftliche Zusammenarbeit der Nationen und Völker, ein Aufruf für mehr Offenheit, Sprache des Herzens und des Gemüts!

Beitrag/ Foto: G. Birkl


NAWRUZ-Veranstaltungen mit Beteiligung von USBEKISTAN

22.3.2019 • Frankfurt
NAVRUZ - Frühlingsfest

23.3.2019 •  Berlin
Einladung zum Nowruz und Frühlingsfest 2019
• Tadschikistan • Türkei • Kirgististan • Turkmenistan • Usbekistan • Afghanistan • Aserbaidschan • Kasachstan

31.3.2019 • München
NAWRUZ – Frühlingsfest

Empfohlene Links zum Thema NAWRUZ:
UNESCO – Nowruz Day 21 March
UNESCO – International Day of Nowruz
UNESCO - Nowruz: Celebrating the New Year on the Silk Roads
UNESCO – Nawrouz, Novruz, Nowrouz, Nowrouz, Nawrouz, Nauryz, Nooruz, Nowruz, Navruz, Nevruz, Nowruz, Navruz

WIKIPEDIA: NOURUZ
Persisches Neujahr 2019 - Wie und warum wird das Persische Neujahr gefeiert?

Message from U.S. Ambassador Pamela Spratlen on Navruz

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Berliner Sparkasse informiert sich über aktuelle Entwicklungen in Usbekistan

Informationsgespraech_Berliner_Sparkasse Informationsgespräch: Aktuelle Entwicklungen in Usbekistan
Am 13. März wurde gemeinsam mit dem deutschen Finanzinstitut Berliner Sparkasse ein Unternehmergespräch organisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden über die aktuelle Entwicklung Usbekistans, sowie die Finanz- und Wirtschaftsreformen in unserem Land ausführlich informiert. An der Veranstaltung nahmen die an der Entwicklung einer für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit mit Usbekistan interessierten Vertreter der Wirtschafts- und Finanzkreise Deutschlands teil.

Beitrag/Fotos: Botschaft der Republik Usbekistan


Empfohlener LINK: Berliner Sparkasse unterzeichnet Vertrag über 30 Millionen Euro
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ITB 2019 erneut mit usbekischer Beteiligung

UZ_ITB_Teilnehme_20190312-075923_1 Tourismusminister Usbekistans Abdulaziz Akkulov, Teltower Stadtblatt-Verleger Andreas Gröschl, Kulturattaché Shokhrukh Golumov (Von li. na. re)
Vom 6. bis zum 10. März 2019 fand in den Berliner Ausstellungshallen unter dem Funkturm die weltweit größte Messe für Tourismus statt. 

Die ITB, die Internationale Tourismusbörse, zog insgesamt 160.000 Besucher an. Davon waren rund 113.500 Fachbesucher. Bei den Fachbesuchern ergab sich ein Besucheranstieg von über drei Prozent im Vergleich zu 2018. In den 26 Hallen zeigten mehr als 10.000 ausstellende Unternehmen aus 181 Ländern und Regionen den Besuchern ihre touristischen Schönheiten oder ihre Produkte zum Thema Tourismus. Dazu zählten beispielsweise Fachbücher und Reisemedizin.

In diesem Jahr hatte auch Usbekistan wieder einen sehr stark frequentierten Messestand in Berlin aufgebaut. Der usbekische Tourismusminister Abdulaziz Akkulov reiste eigens aus Taschkent nach Berlin zur ITB an. Ein immer wieder aufkommendes Gesprächsthema am Messestand war die seit Anfang dieses Jahres geltende Visafreiheit für Besuche in Usbekistan. Dadurch sind spontane Besuche nun möglich geworden.

Auf die Vielfältigkeit Usbekistans machte auch Kulturattaché Shokhrukh Golumov persönlich aufmerksam. Er sprach, ebenso wie der Tourismusminister, mit zahlreichen Gästen am usbekischen Messestand, der sich in diesem Jahr in der Halle 3.1 befunden hatte.

Die Länder der Seidenstraße, wie beispielsweise Tadschikistan, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan, stellten ebenfalls in der Halle 3.1 aus. Somit konnte der Besucher sich in einer einzigen Messehalle intensiv über die Länder der Seidenstraße informieren lassen.

Die nächste ITB Berlin findet von Mittwoch bis Sonntag, 4. bis 8. März 2020, statt. Natürlich wird Usbekistan auch 2020 wieder in den Berliner Messehallen unter dem Funkturm seine touristischen Schönheiten rund 160.000 Gästen aus aller Welt vorstellen.

Text/Fotos: Volkert Neef


Titelbild: Tourismusminister Usbekistans Abdulaziz Akkulov, Teltower Stadtblatt-Verleger Andreas Gröschl, Kulturattaché Shokhrukh Golumov (Von li. na. re); Foto: Volkert Neef

Usbekistan Airways am usbekischen ITB-Messestand; Foto: Volkert Neef

 Frl. Hulkar am usbekischen ITB-Messestand

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Die neue Afghanistanpolitik unter Präsident Mirsijojew


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Usbekistans Politik gegenüber Afghanistan: Ein neuer Ansatz für ein altes Problem?

Zusammenfassung
Neben umfassenden Reformen im Innern hat der Machtwechsel in Usbekistan Ende 2016 auch zu einer Revision der Außenpolitik des Landes geführt. Seitdem ist Usbekistan von seiner traditionell die Eigenständigkeit betonenden außenpolitischen Haltung zu einer proaktiven Politik übergegangen. Dieser Paradigmenwechsel ist am deutlichsten an der Politik Taschkents gegenüber seinen Nachbarn erkennbar. Das seit langem bestehende Muster usbekischer Außenpolitik, mit der Begriffe wie Skepsis, Isolationismus und Arroganz assoziiert wurden, hat sich gewandelt zu intensivem Dialog, gegenseitigem Verständnis und enger Zusammenarbeit. Dieser neue Ansatz hat auch Auswirkungen auf die Beziehungen zu Afghanistan. Usbekistans von Sicherheitsüberlegungen dominierte Politik hat sich in Richtung eines verstärkten politischen Dialogs, intensiveren Handels und humanitärer Zusammenarbeit verändert und steht damit in einem eindeutigen Kontrast zur früheren Praxis. Gleichzeitig ist die usbekische Afghanistanpolitk, deren Wurzeln bis in die frühen 1990er Jahren zurückreichen, im Kern die gleiche geblieben. Nach wie vor nimmt das Land einen äußerst wichtigen Platz auf der usbekischen außenpolitischen Agenda ein.

Die neue Afghanistanpolitik unter Mirsijojew

Die außenpolitische Praxis unter Schawkat Mirsijojew steht in klarem Kontrast zu der seines Vorgängers. Am offensichtlichsten manifestiert sich dieser Unterschied in seiner Nachbarschaftspolitik. Anstelle von Selbstisolierung, Konfrontation und Skepsis betreibt der neue Präsident eine Nachbarschaftspoltik, die auf proaktivem Engagement, intensivem Dialog und gegenseitigem Vertrauen gründet. Diesem Muster unterliegt auch seine Afghanistanpolitik, die zu einer signifikanten Intensivierung in den usbekisch-afghanischen Beziehungen geführt hat. In den letzten beiden Jahren haben sich die Präsidenten beider Staaten sechs Mal zu Gesprächen getroffen. Darüber hinaus gab es Dutzende Besuche unterschiedlicher Regierungsdelegationen in beiden Richtungen. Auch das Spektrum der Beziehungen hat sich erweitert. Jenseits der traditionell wichtigen Bereiche Sicherheit und Wirtschaft hat Usbekistan die Zusammenarbeit auch auf humanitäre Bereiche wie Bildung und Kultur ausgeweitet.

In Taschkent ist man immer noch über die Situation in Afghanistan besorgt, aber der tradionelle, von Sicherheitsüberlegungen dominierte Ansatz hat der Vereinfachung wirtschaftlicher Verbindungen und der Konnektivität den Vorrang gegeben. 2017 verabschiedeten beide Seiten eine Roadmap über Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft, die ein ambitioniertes Ziel beinhaltet: Das bilaterale Handelsvolumen soll in den kommenden Jahren auf über 1,5 Mrd. US-Dollar gesteigert werden (2018 hatte es ca. 601 Mio. US-Dollar betragen). Seit November 2017 gibt es eine direkte Flugverbindung zwischen Kabul und Taschkent. Darüber hinaus hat Usbekistan in Termes, einer usbekischen Stadt an der Grenze zu Afghanistan, die grenzüberschreitende Konnektivität verbessert. Afghanische Unternehmer hatten sich z. B. beschwert, dass ihre Fracht andauernd an der usbekischen Zollstation festgesetzt wurde, was zu häufigen Verspätungen führte. Seit August 2018 gibt es nun ein Abkommen, das das Transitregime vereinfachen soll. Ebenso wird über die Einrichtung einer Freihandelszone an der Grenze diskutiert. Darüber hinaus hat Afghanistan im Oktober 2018 in Termes ein Konsulat eröffnet.

Energie- und Verkehrsprojekte sind traditionelle Prioritäten der usbekischen Afghanistanpolitik. Bereits 2011 wurde die Eisenbahnstrecke Termes–Hairatan bis nach Masar-e-Sharif verlängert. Diese grenzüberschreitende Route ist zu einer strategisch wichtigen Transitstrecke in Nordafghanistan geworden, und zwar für den Handel wie für den militärischen Nachschub (für die NATO-Mission). Jetzt stehen zwei Projekte zum Ausbau dieser Verbindung auf der Tagesordnung. Das erste ist die Eisenbahnstrecke Masar-e-Scharif–Herat, über die während des Staatsbesuchs des afghanischen Präsiden- ten Aschraf Ghani in Usbekistan im Dezember 2017 ein Abkommen unterzeichnet wurde. Das zweite ist das Projekt Masar-e-Scharif–Kabul–Peschawar, das im Dezember 2018 eine vorläufige Unterstützung durch Usbekistan, Afghanistan, Pakistan, Kasachstan und Russland erfuhr.
Mit der Unterstützung dieser beiden Projekte verfolgt Usbekistan das Ziel der Schaffung von grenzüberschreitenden Korridoren, die von Termes bis in die iranischen Seehäfen Tschabahar und Bendar Abbas einerseits, und bis zum pakistanischen Hafen Karatschi andererseits reichen sollen.

Ebenso beabsichtigt Usbekistan, seine Stromexporte nach Afghanistan zu erhöhen. Die Präsidenten beider Staaten haben ein Abkommen über den Bau der Stromtrasse Surchan–Puli-Chumri unterzeichnet, mit der die Stromlieferungen um 70 % auf bis zu 6 Mrd. kWh erhöht werden können. Zusätzlich reduzierte Usbekistan den Preis für Stromlieferungen nach Afghanistan von 7,6 auf 5 US-Cent pro kWh. Darüber hinaus verkündeten usbekische Offizielle, dass die neue Stromtrasse Afghanistan in das zentralasiatische Energiesystem integrieren und Teil des »Zentralasien-Südasien-Stromprojektes« (CASA-1000) sein werde. Usbekistans Unterstützung für CASA- 1000 erscheint logisch, da Mirsijojew die Wasserkraftprojekte Rogun (Tadschikistan) und Kambar-Ata (Kirgistan) bereits akzeptiert und eine Wiederherstellung des einheitlichen zentralasiatischen Energiesystems befürwortet hat.

Auch die jüngste Kooperation Usbekistans mit Afghanistan im humanitären Bereich kann als Neuerung in Taschkents Afghanistanpolitik betrachtet werden. Ende Januar 2018 wurde in Termes ein Bildungszentrum für afghanische Studierende eröffnet. Bis Anfang 2019 hat das Zentrum rund 130 afghanische Studierende aufgenommen, die in einem zweijährigen Programm usbekische Sprache und Literatur sowie technische Fächer mit Bezug zur Eisenbahnindustrie studieren. Eine andere neue Institution ist die »Usbekisch-afghanische Freundschaftsgesellschaft«, die Mitte September 2018 in Taschkent gegründet wurde. Die Gesellschaft plant für das Jahr 2019 Kulturveranstaltungen, die den »100 Jahren usbekisch-afghanischer Freundschaft« gewidmet sein sollen.

Diplomatische Aktivitäten, die sich auf den Friedensprozess konzentrieren, bilden aber nach wie vor das Hauptmerkmal der usbekischen Afghanistanpolitik. Die internationale Afghanistan-Konferenz, die im März 2018 in Taschkent stattfand, erinnerte in vielem an die früheren Bemühungen Usbekistans, in den Friedensverhandlungen zu Afghanistan seine Vermittlung anzubieten. Gleichzeitig sind aber auch neue Nuancen in der usbekischen Diplomatie zu erkennen. Erstens war diese Konferenz verglichen mit den 6 + 2-Verhandlungen sehr viel breiter angelegt, sowohl hinsichtlich der Tagesordnung wie auch der Anzahl der teilnehmenden Länder. Neben Afghanistan waren dessen unmittelbare Nachbarn sowie die USA und Russland und eine Reihe anderer wichtiger Akteure vertreten, u. a. Indien, Saudi-Arabien, die VAE, Katar, Japan, die Türkei und die EU. Zweitens verkündete die Abschlusserklärung der Konferenz u. a. die Unterstützung einer Integration Afghanistans in das regionale Netz der Wirtschaftsbeziehungen in Süd- und Zentralasien. Dies ist mit Blick auf Usbekistan deshalb besonders bemerkenswert, weil sich das Land nun, im Gegensatz zu früher, aktiv für eine bessere Konnektivität der Region einsetzt. Diese neue Tendenz wird auch in anderen Aktivitäten Taschkents sichtbar, etwa in dem jährlichen Ministertreffen unter dem Titel »Indien–Zentralasien–Afghanistan– Dialog«, das im Januar 2019 in Samarkand gestartet wurde, oder auch bei der 8. Afghanistan-Konferenz für regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit (RECCA- VIII), die in der zweiten Jahreshälfte 2019 erstmals in Taschkent stattfinden soll. Drittens besteht die Taschkenter Plattform diesmal nicht auf Exklusivität. Zuvor war das Scheitern des 6 + 3-Formats als eine Art persönliche Beleidigung wahrgenommen worden. Als Reaktion hat Usbekistan andere, alternative Plattformen wie den »Istanbul-Prozess« ignoriert. Jetzt treibt Taschkent nicht nur die eigene Verhandlungsplattform voran, sondern unterstützt auch andere Formate wie den »Kabul- Prozess«, den »Istanbul-Prozess«, das »Moskau-Format« sowie die Kontaktgruppe »SCO – Afghanistan«, die von 2005 bis 2009 tätig war und 2017 reaktiviert wurde.

Entgegen allen Erwartungen nahmen die Taliban nicht an der internationalen Afghanistan-Konferenz in Taschkent teil. Gleichwohl haben Vertreter der usbekischen Diplomatie (in erster Linie Außenminister Abdulasis Kamilow und der Sonderbeauftragte des Präsidenten für Afghanistan, Ismatulla Irgaschew) Gespräche mit den Taliban geführt. Im Juni 2018 fanden in Doha und im August 2018 in Taschkent bilaterale Unterredungen statt. Neben den Taliban unterhält die usbekische Seite auch zu anderen wichtigen afghanischen Politikern Kontakte. Offensichtlich möchte Usbekistan, dass seine Vermittlerrolle von allen interessierten Seiten – sowohl innerhalb, wie auch außerhalb Afghanistans – akzeptiert wird, um die Taschkenter Plattform als passender und stärker auf Konsens basierend darzustellen.

Fazit
Sicherheitsfragen, wirtschaftliche Interessen und Diplomatie sind die traditionellen Komponenten der usbekischen Afghanistanpolitik. Seit dem Machtwechsel 2016 hat die usbekische Außenpolitik einen Wechsel weg von ihrem seit langem vorherrschenden isolationistischen und restriktiven Ansatz hin zu einem Vorgehen vollzogen, das stärker auf proaktivem Engagement und intensivem Dialog gründet. Dieser neue Ansatz leitet auch die usbekische Afghanistanpolitik. Usbekistan setzt nun stärkere Akzente auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und regionale Konnektivität. Darüber hinaus markiert die Kooperation in den Bereichen Bildung und Kultur den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der usbekisch-afghanischen Beziehungen nach 1991. Letztlich steht aber der Friedensprozess in Afghanistan auf der Prioritätenliste der usbekischen Diplomatie nach wie vor ganz oben. Das Fortbestehen dieser neuen Dynamik in der Afghanistanpolitik Usbekistans kann die Stabilität im südlichen Nachbarn begünstigen und die Chancen der praktischen Realisierung der transregionalen Verbindungen deutlich erhöhen.

Aus dem Englischen von Hartmut Schröder
Auszug aus dem Beitrag von Azam Isabaev, Hamburg; (Zentralasien-Analysen 133 vom 22.2.2019)
Mit freundlicher Genehmigung durch Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH


Über den Autor:
Azam Isabaev ist Fellow am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) in Hamburg und forscht zur Außen- und Sicherheitspolitik der Staaten Zentralasiens. Er promovierte im November 2018 an der Universität Hamburg mit einer vergleichenden Analyse der Afghanistanpolitiken Tadschikistans und Usbekistans.

Lesetipps:
• For Uzbekistan, teaching spells prosperity in Afghanistan. A teacher's college in Termez is the first fruit of Uzbekistan's pledge to assist Afghan development through education, in: Eurasianet, 25.10.2018,
= https://eurasianet. org/for-uzbekistan-teaching-spells-prosperity-in-afghanistan. 

• Ramani, Samuel, Can Uzbekistan help mediate the Afghan conflict? In: The Diplomat, 13.7.2018,
= https:// thediplomat.com/2018/07/can-uzbekistan-help-mediate-the-afghan-conflict/. 

• Teles Fazendeiro, Bernardo, Soft power under Mirziyoyev: Change and continuity in Uzbekistan's foreign policy, in: openDemocracy, 9. 7. 2018,
= https://www.opendemocracy.net/od-russia/bernardo-teles-fazendeiro/ soft-power-under-mirziyoyev. 

• The Permanent Mission of the Republic of Uzbekistan to the United Nations: Declaration of the Tashkent Conference on Afghanistan: Peace Process, Security Cooperation & Regional Connectivity, 30. 3. 2018,
= https://www. un.int/uzbekistan/news/declaration-tashkent-conference-afghanistan-peace-process-security-cooperation-regional.

Kontakt:
Die Redaktion der Zentralasien-Analysen
Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH
Mohrenstraße 60 • 10117 Berlin
beate.eschment(at)zois-berlin.de
https://www.zois-berlin.de/
https://www.laender-analysen.de/zentralasien/

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